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Relationen, Beziehungen und Abhängigkeiten im Phänomenfeld63. Allerdings darf dabei auch nie vergessen werden, dass es sich um (systematische) Spekulation handelt, die noch nicht als gesichert angesehen
werden darf (hypothesenbildend statt -prüfend). Auch ist zu bemerken, dass nur diejenigen heuristischen
Perspektiven eingenommen werden können, die dem jeweiligen Forscher bekannt sind. Für nicht bekannte Perspektiven bleibt dieser blind64. Im sensibilisierenden Konzept geht es um Explikation (statt unbewusste Einstreuung), Integration, sowie kritische Betrachtung von deskriptiven und analytischen Theoriefolien, Berichten Dritter, Felderkundung und Kontextwissen, sowie von Lebenserfahrungen65. Das Ganze
stets in Bezug zur Fragestellung66. Es entspricht dabei der Technik der Theorie-Triangulation67.
Dieses methodisch verankerte aporische „Misstrauen“68 erzeugt zugleich einen Lernprozess für den Forscher. Hieraus ergibt sich also ein roter Faden als heuristisches Suchraster. Das Raster wird nicht statisch
definiert, sondern erlaubt dynamische und systematische Modifikation (hermeneutisch-zirkulär durch entsprechende empirische Befunde). So entstehen auch, so ALHEIT, Geschwindigkeitsvorteile69. Zu diesem
Vorgehen regt u.a. auch SCHÜSSLER an, die für das Feld der Erwachsenenbildung gegenstandsbegründet
arbeitet und dazu eine ‚heuristische Suchsonde‘ nutzt70. Diese offen-flexible, aber dennoch strukturierte
Sicht auf die Forschungsprobleme wird als Suchraster benötigt, um das Phänomen überhaupt wahrnehmen zu können (Heuristik), schützt mit seiner absichtsvollen Vagheit71 und Offenheit aber zugleich davor,
es durch Operationalisierung quantitativer Methodologie zu verdecken72. So können sich Suchsonden im
sensibilisierenden Konzept natürlich auch als unbrauchbar herausstellen und entfernt, oder unvorhergesehene Aspekte auftauchen und als Suchsonde einbezogen werden. Es wird zu Weil behauptet, dass zwischen Glaser und Strauss Differenzen bestehen, ob Theorie hinzugezogen werden darf oder nicht. Doch es
besteht laut TRUSCHKAT et al. zwischen den Autoren keine Differenzen darüber ob, sondern nur wann
welche Literatur eingesetzt wird73. TRUSCHKAT et al. tragen ergänzend dazu drei Prinzipien zusammen, die
den Einbezug von Theoriequellen in das sensibilisierende Konzept absichern74: (1) Vorwissen darf nicht
dazu führen, dass konkrete Aspekte im Feld statisch fokussiert oder sogar Kausal-Hypothesen gebildet
werden. (2) Vorwissen muss expliziert werden. (3) Konzepte müssen heuristisch (verständnis-fördernd)
sein, nicht fixierte Erklärungsmodelle darstellen. Dies ist ferner auch passend zur Idee des kontextuellen
Verstehens nach SCHORB & THEUNERT75. Dort wird Kontext hinzugezogen, sobald Aussagen oder Handlungen der Forschungssubjekte auf die Relevanz des jeweiligen Kontextes verweisen. Dies bezieht sich allerdings eher auf die Erhebungssituation, denn auf Theorienutzung.
Nun zur Datenerhebung durch theoretisches Sampling. Dies ist, so CORBIN, eine auf emergierenden Konzepten basierende Erhebungslogik:
„Es unterscheidet sich von anderen Formen des Samplings, insofern nicht die Zahl der Themen
oder Untersuchungspersonen wichtig ist. Vielmehr sind die Konzepte und ihre Indikatoren von
Bedeutung.(…) Diese Indikatoren werden dann mit anderen Indikatoren innerhalb eines Dokumentes, wie auch mit Indikatoren in anderen Dokumenten verglichen. Jedes Beispiel für ein
Konzept wird nicht nur dazu dienen, dessen Bedeutung zu verifizieren, sondern auch (…)
dazu zu befähigen, dieses Konzept hinsichtlich seiner Dimensionen und Bezugspunkte weiter
63Vgl.Kleining1986S.725,1995S.226.
64Dasmachtesnötig,dasVorgehensotransparentwiemöglichundalsDissertationsoweitgreifendwiefürForscherundGutachterzumutbarzumachen.
65Z.B.QualifikationundSichtweisedesErwachsenenbildners,darumwerdenz.B.ErkenntnistheorieundMenschenbilderörtert.
66Vgl.Alheit1999S.9,Strauss&Corbin1996S.25ff.
67Vgl.Flick2004,2006;Denzin1989.
68Alheit1999S.10.
69Vgl.Alheit1999S.9;Glaser&Strauss1979.
70Vgl.Schüßler2007S.213f.
71DieTheoriefolienwerdennichtinFaktorenoperationalisiert,sondernalsgrobeStoßrichtungbegriffen.
72Vgl.Lamnek2005S.120;235;727;Blumer1954S.3ff.
73Vgl.detailliertTruschkatetal.2005.S.7f.
74Vgl.Truschkatetal.2005S.9.
75Vgl.Schorb&Theunert2000.
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