Download Skriptum softwaretechnik - WSI Programmiersprachen und Übersetzer

Transcript
46
3.1
Der systembegriff
In der analysephase wird das zu entwickelnde system also aus der sicht des
benutzers (oder auch: der real existierenden welt) beschrieben. Der vorherrschende gedanke dabei ist, jeweils nur zu beschreiben, was zu tun ist, aber
niemals, wie dies getan werden soll. Die strukturierung entspricht den anforderungen der anwendung.
Das implementierte system muss nach ganz anderen gesichtspunkten strukturiert sein. In der entwurfsphase muss das system nämlich aus der sicht der
maschine beschrieben werden. Ein gängiges paradigma hierbei ist die bildung
sog. abstrakter maschinen, welche stufenweise von den fähigkeiten der realen
maschine abstrahieren und zu den anforderungen der anwendung hinleiten.
Systementwurf beschäftigt sich sowohl mit dem leistungsumfang des systems
(„was?“) als auch mit der realisierung („wie?“). Gegenüber der analyse findet
hier also ein wesentlicher standpunktwechsel statt.
Aus der oben aufgeführten systemdefinition sollen einige dinge hier noch
weiter ausgeführt werden:
Schnittstellen Aus der formulierung „ein teil der welt“ ergibt sich, dass ein
jedes system über bestimmte schnittstellen zum rest der welt (, der hier
also ausserhalb des systems gesehen wird) verfügt. Je nachdem, ob über
diese schnittstellen informationen aus der restwelt in das system hineinfliessen oder ob sie aus dem system in die restwelt hinausfliessen, sind
dies eingabe- oder ausgabeschnittstellen. Dieser schnittstellenbegriff unterscheidet sich von dem begriff der modulschnittstellen.
Zustand Das system hat einen inneren zustand, der normalerweise nicht direkt beobachtbar ist (geheimnisprinzip!). Das system wird somit meist als
black box verstanden, die „von aussen“ undurchsichtig ist. Durch die wirkung von eingaben kann sich dieser zustand ändern; das system wird also
auf gleiche eingaben nicht immer mit den gleichen ausgaben reagieren. In
der o.a. systemdefinition ist dieser zustand durch das wort „merkmale“
angesprochen; auch der begriff „attribute“ ist gebräuchlich.
Aktionen Komponenten eines systems können aktionen ausführen (funktionen, methoden); dadurch kann sich der zustand dieser oder anderer komponenten ändern.
Verhalten Über die zeit hinweg zeigt ein system ein gewisses verhalten, wie es
nämlich auf folgen von eingaben mit folgen von ausgaben reagiert. Dieses
systemverhalten lässt unter umständen für einen beobachter der black box
die bildung von theorien über den inneren zustand zu.
swentw.tex