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5.1 Bruchkörperform 71 auf eine Schar zurückführen (Abb. 5.10), so spricht man von einer „Bruchstaffel“, bei zwei Scharen von einer „Kluftstaffel“ [5.21]. Die lokalen Eigenschaften des Flächengefüges – erwähnt seien RaumstelSchar 2 lung, Erstreckung, Abstand, Überlappung und Materialbrückenlänge – legen die Geometrie der Abstufung fest. So kommt es zu den vielfältigsten Formen einer gestufSchar 1 ten Kontaktfläche, deren Verlauf nur schwer prognostizierbar ist (Abb. 5.13). In der Praxis ersetzt man deshalb die AbstuAbb. 5.13 Einfluss der Abstufung auf die Bruchfung durch eine mittlere Kontaktfläche körperform: Das Flächengefüge legt die (Abb. 5.14) [5.25]. Ihr Fallwinkel β′ entGeometrie der Abstufung fest [5.22]. spricht zwar bei niedrigen Stufen ungefähr derjenigen einer Schar (β′ ≈ β1), weicht aber bei höheren Stufen massgeblich davon ab * (β′ > β1). Der Fehler lässt sich durch Einführen einer projizierte Kontaktfläche vermeiden [5.23]: In Abbildung 5.14 werden alle Teilflächen der Schar 1 in Richtung von Schar 2 (A1), alle Teilflächen der Schar 2 in Richtung von Schar 1 (A2) projiziert. Der projizierte Bruchkörper mit der Kontaktfläche A1 + A2 unterscheidet sich vom ursprünglichen wie folgt: Seine Kontaktfläche ist kinematisch korrekt angesetzt, das Volumen aber um VΔ grösser † . Mit anderen Worten: Jeder potentielle Bruchkörper mit abgestufter Kontaktfläche (Vabgest.) kann durch einen projizierten Bruchkörper (Vproj.) ersetzt werden, dessen Volumen um VΔ reduziert wird. Dies erlaubt die Untersuchung kompliziertester Abstufungen auf einfache Weise. In Kapitel 3.1.3 wurden Aspekte für eine umfassende Beschreibung von Trennflächen aufgezählt. Sie alle prägen mehr oder minder die Form eines Bruchkörpers, weshalb ihre jeweilige Wirkung genauer analysiert werden muss. Folgende Hinweise mögen daher genügen: Abgestufter Bruchkörper (Vabgest.) β2 Schar 2 Schar 1 • Lage: Die Position der zu berücksichtigenden Trennfläche ist stark mit der Geländeform verknüpft. So sind je nach Ort mehr Trennflächen zur Ausbildung eines Bruchkörpers erforderlich (Abb. 5.7). • Form: In der Regel reicht es aus, von ebenen Trennflächen auszugehen, da in β' β1 Projizierte Fläche A2 Projizierte Fläche A1 VΔ = (Vproj.) - (Vabgest.) Abb. 5.14 Vereinfachung einer abgestuften Kontaktfläche durch eine projizierte (Details siehe Text) [5.23]. * Die Abweichung der mittleren Kontaktfläche von der wirklichen hat bei der kinetischen Untersuchung auch andere Bewegungsrichtungen und Reaktionen zur Folge. Von ihrer Anwendung ist deshalb abzusehen. † VΔ steigt an mit zunehmender Feinheit der Abstufung (sofern Kontaktfläche konvex; vgl. Abb. 5.10 d)): Viele schmale und niedrige Stufen bedingen ein grosses VΔ, wenige breite und hohe Stufen ein kleines VΔ. Mit unterschiedlichen VΔ lässt sich jede Variation der Kontaktfläche zwischen voll abgestuft und keine einzige Stufe untersuchen. Selbst konkave Fälle wie in Abbildung 5.10 e) sind untersuchbar.