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8 Die Vielfalt des Fachjournalismus: Sportjournalismus
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Handball und Golf beschäftigen, listen die Datenbanken des Verbandes der
Publikumszeitschriften 119 (www.pz-online.de) und die der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (www.ivw.de)
sogar 214 Titel in der Rubrik ‚Sportzeitschriften’. Die Palette der Titel ist so
vielfältig wie die der Sportarten (siehe Kapitel 8.8.1): Der Radsportler findet
ebenso wie der Alpinist, der Reiter und der Golfsspieler entsprechende Leseangebote. Absoluter Auflagenspitzenreiter ist dabei das Magazin DAV Panorama:
Die Mitgliederzeitschrift des Deutschen Alpenvereins hat eine verbreitete Auflage von 520.433 Exemplaren. Ihr folgt sehr dicht Sport-Bild mit einer Auflage
von 484.075. Die Donnerstagsausgabe des kicker-sportmagazins geht 203.877
Mal in den Vertrieb, die Montagsausgabe 229.649 Mal.
Am Beispiel der Sportart Hockey (siehe www.hockey.de) soll abschließend
nochmals veranschaulicht werden, wie Sport, öffentliche Wahrnehmung und
mediale Berichterstattung zusammenhängen: Bei der Olympiade in Athen spielten sich die deutschen Hockeydamen überraschenderweise bis zur Goldmedaille
– vor sechs Millionen deutschen Fernsehzuschauern (vgl. Penders 2008) – „eine
astronomische Zahl, wenn man bedenkt, dass es Länderspiele der Hockeydamen
selten überhaupt ins Fernsehen schaffen und vor Ort in der Regel meistens nur
ein paar hundert Fans zuschauen“ (ebd.). Die Mitglieder des VDS kürten die
Olympiasiegerinnen zur „Mannschaft des Jahres 2004“. Die Spielerinnen wurden „von Sender zu Sender gezerrt, aber dann war der Rausch schnell vorbei“
(ebd.). Auch Hockey verschwand wieder in der Versenkung, gleichwohl sie seit
Jahrzehnten eine der erfolgreichsten Sportarten in Deutschland ist. Der DiplomSportwissenschaftler, Hockeymeister und FAZ-Sportredakteur Peter Penders
(Kurzbiographie unter www.faz.net) analysiert dieses Phänomen:
„Das Fernsehen hat diese ungute Entwicklung in den vergangenen Jahren noch verschärft, seitdem sich auch die öffentlich-rechtlichen Sender in erster Linie um die populären Sportarten
kümmern oder groß als Promoter ins Profibox-Geschäft eingestiegen sind. So steht auf manchen
Sendungen zwar „Sportschau“ drauf, aber in Wahrheit ist nur Fussball drin. Vor allem die Randsportarten des Sommers sind in erster Linie nur während Olympischer Spiele herzlich willkommen, weil dann alles Quote garantiert.“ (ebd.)
Allerdings kann nicht nur das Fernsehen dafür verantwortlich sein, dass Hockey
etwas für Spezialisten ist und in seiner Nische bleibt: Auch bei den Zeitschriften
gibt es keinen Titel, der sich mit dieser Mannschaftssportart beschäftigt – ganz
im Gegensatz zu den vielen Publikationen beispielsweise für Reiter und Golfspieler.