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Sowohl bei mechanischer, wie auch elektrischer Türverriegelung, muss sichergestellt werden, dass die Überlistung sich
selbsttätig auflöst, wenn die Tür wieder
geschlossen wird. Danach muss wieder
eine wirksame Türverriegelung vorhanden sein.
Nordamerika-Ausführung
IEC-Ausführung
Schaltstellungen
„Ein“
IEC-Tür:
NA-Tür:
„Ausgelöst“
„verriegelt oder
nicht verriegelt“
„verriegelt“
„Aus“
„Aus“
Kunststoffschraube
für das
Aufheben
der Türverriegelung
„nicht
verriegelt“
„nicht
verriegelt“
Bild 24: Darstellung der Positionen der Handhabe bei Schaltern für den Einsatz in Nordamerika. Die 3 linken Schalterstellungen sind auch bei IEC-Handgriffen üblich. In der
Aus-Stellung lässt sich die Tür öffnen. Bei den nordamerikanischen Griffversionen ist die
Tür in der Aus-Stellung noch verriegelt. Die Handhabe muss über die Off-Position hinaus
nach links gedreht werden, damit die Tür geöffnet werden kann. Dies ist in Nordamerika
die marktübliche Bedienung, sie soll verhindern, dass sich die Tür in der Aus-Stellung
selbsttätig öffnet. Mit einem Schraubendreher lässt sich die Türverriegelung an der
gekennzeichneten Schraube durch Fachleute überlisten.
Bei dem Thema „Türverriegelungen“
stoßen auf der ganzen Welt unterschiedliche Ansichten aufeinander. Das
ist einerseits die Sicherheitsforderung,
nur an spannungsfreien Schaltanlagen
arbeiten zu „dürfen“ und andererseits
die Erfahrung, dass vor allem Justieraufgaben und eine Fehlersuche oft nur
während des laufenden Betriebes einer
Anlage durchzuführen sind.
Früher hat man die Spannungsversorgung zwangsläufig über Türpositionsschalter abgeschaltet, wenn eine
Schaltschranktür geöffnet wurde (bei
elektrischer Türverriegelung). Da aus
heutiger Sicht eine zwangsweise
Abschaltung der Spannungsversorgung
(wie Not-Aus) wegen der Maschinensicherheit problematisch ist (u. U. Auslösung von andersartigen Gefahren, oder
weil eine Stopp-Kategorie (Not-Halt) zu
beachten ist), kann das Öffnen der Türen
z. B. durch Positionsschalter mit Türzuhaltung oder durch mechanische Verriegelungen verhindert werden. Es muss
dann zunächst eine bewusste Freigabe
für das Öffnen der Türen erfolgen. Wie
später erläutert wird, ist eine derartige
Überlistung der Türüberwachung durch
qualifizierte Fachleute zulässig.
Zum Teil hilft man sich damit, dass die
Justierungselemente (z. B. Fernpotenziometer für die Einstellung der Zeiten
an Zeitrelais), die nicht nur von Elektro48
fachkräften bedient werden sollen, in
die Schaltschranktüren zu integrieren,
um sie bei geschlossener Tür sicher einstellen zu können. Vielfach sollen aber
gerade diese verstellbaren Elemente vor
einem unberechtigten bzw. unqualifizierten Zugriff geschützt werden. Hier helfen
zusätzliche Abdeckungen, die nur ein
Fachmann mit Werkzeug öffnen kann.
Auf dem nordamerikanischen Markt findet man aber auch Schaltschränke mit
zwei hintereinander liegenden Türen. In
der äußeren Tür findet man nur Einbaugeräte, die jederzeit zugänglich sein sollen. In der dahinter liegenden Tür können
geschützt anzuordnende Einbaugeräte
montiert werden und erst das Öffnen
dieser inneren Tür würde eine Auslösung
des Hauptschalters bewirken, bzw. erst
nach dem Ausschalten des Hauptschalters möglich sein.
Die nordamerikanischen Standards lassen aber für qualifiziertes, ausgebildetes
Personal auch den Zugriff auf unter
Spannung stehende Anlagen zu. Bei
den Drehgriffen mit Türverriegelung,
NZM..-XDTV(R)-NA, hat das Fachpersonal die Möglichkeit, die Türverriegelung
von außen mit einem Schraubendreher
aufzuheben (defeat mechanism nach
UL 508A). Die Türverriegelung kann
jedoch nur aufgehoben werden, wenn
der Schalter nicht abgeschlossen ist.
Es ist eine nordamerikanische Marktgewohnheit, dass die für den nordamerikanischen Markt approbierten Drehgriffe
aktiv über die AUS-Stellung (0FF, OPEN)
hinaus gedreht werden müssen, um
die Tür zu öffnen (Bild 24, Tabelle 28).
Dadurch soll nach amerikanischer
Ansicht verhindert werden, dass sich
Türen im ausgeschalteten Zustand des
Hauptschalters selbsttätig öffnen.
Es gibt also 4 Griffstellungen, statt 3 bei
der IEC-Ausführung. In dieser vierten
Griffstellung verrastet der Griff nicht,
sondern er geht, wenn er losgelassen
wird, selbsttätig wieder in die „AUSStellung“ zurück. Diese Version der
Griffe mit dem Typenzusatz -NA sollte
bei Maschinen- und Anlagensteuerungen
eingesetzt werden. Sie sind allerdings an
Weltmarkt-Maschinen für nicht-nordamerikanische Betreiber gewöhnungsbedürftig. Neben diesen speziellen Griffen für
den nordamerikanischen Markt wurden
auch die Türkupplungs-Drehgriffe nach
IEC für den Einsatz in Nordamerika
approbiert. Einen Überblick über die
realisierbaren Türverriegelungsfunktionen und die Abschließbarkeit gibt die
Tabelle 29 (Seite 50).
Leistungsschalter oder Molded Case
Switches, die eine Trenner- oder Hauptschalterfunktion bei nordamerikanischen
Industrial Control Panels for Industrial
Machinery übernehmen, müssen einige
Anforderungen erfüllen, z. B.
• müssen sie bei geschlossener und
bei geöffneter Schaltschranktür
ohne Werkzeug oder ohne eine spezielle Ausrüstung durch qualifiziertes Fachpersonal bedienbar sein,
• sie müssen auch bei geöffneter
Schaltschranktür zuverlässig
abschließbar sein.
Drehantriebe sind in Nordamerika an
Hauptschaltern nicht so üblich, wie in der
IEC-Welt. Einige approbierte Lösungen,
die beim Export von Schaltanlagen nach
Nordamerika noch akzeptiert werden,
lassen sich auf dem nordamerikanischen
Markt wegen ihrer Abweichung von den
Marktgewohnheiten nicht als Komponenten verkaufen. Die falsche Wahl der
Schalter-Betätigungseinrichtung kann zu
einem hohen Abnahmerisiko am Verwendungsort der Schaltanlage führen. Nach
Möglichkeit sollte man die Art der Betätigung der Hauptschalter vor der Projek-