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Kapitel 2 – Fachliche Motivation für eine Raumkomponente
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Die Delegation der Aufgabe, das Mailing zu verschicken, ist nicht die einzige Szene, in der
Kooperation über Material und Platz stattfindet. Auch die Mitarbeiterinnen des Sekretariats
koordinieren sich in diesem Szenario untereinander über Material und Platz: Sobald sich eine
der Mitarbeiterinnen das Material nimmt und auf ihren Arbeitsplatz holt, übernimmt sie damit
auch die mit diesen Dingen verknüpfte Aufgabe. Sie muss sich nicht weiter mit ihren
Kolleginnen abstimmen, da diese das Mailing mit der Notiz nicht mehr an dem Platz finden,
an dem es von der Abteilungsleiterin abgelegt wurde.
An dieser Stelle sei ein kurzer Blick auf die derzeitige Situation der computergestützten
Kooperation gestattet: Bisher wird fast nur die explizite Kooperation angemessen unterstützt
(z.B. durch E-Mail / Postversand) – dies führt zu solchen Phänomenen, dass z.B. 45% aller
Mails an den Zimmernachbarn verschickt werden228. Für den im Szenario geschilderten Fall
stelle ich aber fest, dass implizite Kooperation über einen gemeinsamen Platz deutlich
effizienter ist als explizite Kooperation: Stünde der Abteilungsleiterin aus dem Szenario z.B.
nur der Postversand zum Materialaustausch zur Verfügung, so hätte sie an jede Mitarbeiterin
eine Kopie des Mailings und der Notiz verschicken müssen, um die Aufgabe an eine der
Mitarbeiterinnen zu delegieren. Die Mitarbeiterinnen hätten daraufhin ihrerseits den
Koordinationsbedarf erkennen müssen (z.B. indem die Abteilungsleiterin in der Notiz darauf
hinweist), um sich schließlich zu einigen, wer von ihnen die Aufgabe annimmt. Die
Mitarbeiterinnen müssen sich abstimmen, welche der Kopien des Mailings und der Notiz zum
"neuen" Original wird und bearbeitet werden soll. Tun sie dies nicht, besteht die Gefahr, dass
die Aufgabe von mehreren Mitarbeiterinnen bearbeitet wird.
Kopien ziehen immer Koordinationsbedarf nach sich, wenn zu einem späteren Zeitpunkt eine
davon zum Original gemacht werden soll. Für den im Szenario geschilderten Anwendungsfall
werden unnötige Kopien durch die Kooperation über den gemeinsamen Platz vermieden.
Ein gemeinsamer Platz allein genügt jedoch noch nicht, um sich darüber bereits koordinieren
zu können. Es müssen dazu verlässliche Bedingungen gelten, die es den Beteiligten
ermöglichen, sich an diesem Platz zurechtzufinden, die (nicht von ihnen selbst ausgelösten)
Geschehnisse zu verstehen und um sich vorzustellen zu können, wie sich der gemeinsame
Platz für andere Personen darstellt. Dies ist in der physischen Welt aufgrund der Naturgesetze
und unserer fundierten Erfahrung mit eben diesen möglich. Diese Naturgesetze gelten in der
"virtuellen Welt" jedoch nicht ohne weiteres, ihr Effekt muss erst nachgebildet werden. Daher
werde ich sie nun so weit sie relevant erscheinen genauer betrachten und bei der Konzeption
der Raumkomponente berücksichtigen.
Für die Mitarbeiterinnen der PR ist selbstverständlich, dass sie die gemeinsame
Arbeitsumgebung physisch auf die gleiche Weise wahrnehmen. Obwohl sich die
Abteilungsleiterin und die Mitarbeiterinnen des Sekretariats aufgrund ihrer unterschiedlichen
Rollen ein unterschiedliches Bild von ihrer gemeinsamen Arbeitsumgebung und ihren
Handlungsmöglichkeiten darin machen, wissen alle Beteiligten, dass sie die physische Seite
der Dinge, Personen und Räumlichkeiten auf dieselbe Weise wahrnehmen – diese physische
Seite ist der kleinste gemeinsame Nenner bei der Wahrnehmung der gemeinsamen
228
[Oberquelle98], S.101