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Kapitel 2 – Fachliche Motivation für eine Raumkomponente Seite 62 Die Delegation der Aufgabe, das Mailing zu verschicken, ist nicht die einzige Szene, in der Kooperation über Material und Platz stattfindet. Auch die Mitarbeiterinnen des Sekretariats koordinieren sich in diesem Szenario untereinander über Material und Platz: Sobald sich eine der Mitarbeiterinnen das Material nimmt und auf ihren Arbeitsplatz holt, übernimmt sie damit auch die mit diesen Dingen verknüpfte Aufgabe. Sie muss sich nicht weiter mit ihren Kolleginnen abstimmen, da diese das Mailing mit der Notiz nicht mehr an dem Platz finden, an dem es von der Abteilungsleiterin abgelegt wurde. An dieser Stelle sei ein kurzer Blick auf die derzeitige Situation der computergestützten Kooperation gestattet: Bisher wird fast nur die explizite Kooperation angemessen unterstützt (z.B. durch E-Mail / Postversand) – dies führt zu solchen Phänomenen, dass z.B. 45% aller Mails an den Zimmernachbarn verschickt werden228. Für den im Szenario geschilderten Fall stelle ich aber fest, dass implizite Kooperation über einen gemeinsamen Platz deutlich effizienter ist als explizite Kooperation: Stünde der Abteilungsleiterin aus dem Szenario z.B. nur der Postversand zum Materialaustausch zur Verfügung, so hätte sie an jede Mitarbeiterin eine Kopie des Mailings und der Notiz verschicken müssen, um die Aufgabe an eine der Mitarbeiterinnen zu delegieren. Die Mitarbeiterinnen hätten daraufhin ihrerseits den Koordinationsbedarf erkennen müssen (z.B. indem die Abteilungsleiterin in der Notiz darauf hinweist), um sich schließlich zu einigen, wer von ihnen die Aufgabe annimmt. Die Mitarbeiterinnen müssen sich abstimmen, welche der Kopien des Mailings und der Notiz zum "neuen" Original wird und bearbeitet werden soll. Tun sie dies nicht, besteht die Gefahr, dass die Aufgabe von mehreren Mitarbeiterinnen bearbeitet wird. Kopien ziehen immer Koordinationsbedarf nach sich, wenn zu einem späteren Zeitpunkt eine davon zum Original gemacht werden soll. Für den im Szenario geschilderten Anwendungsfall werden unnötige Kopien durch die Kooperation über den gemeinsamen Platz vermieden. Ein gemeinsamer Platz allein genügt jedoch noch nicht, um sich darüber bereits koordinieren zu können. Es müssen dazu verlässliche Bedingungen gelten, die es den Beteiligten ermöglichen, sich an diesem Platz zurechtzufinden, die (nicht von ihnen selbst ausgelösten) Geschehnisse zu verstehen und um sich vorzustellen zu können, wie sich der gemeinsame Platz für andere Personen darstellt. Dies ist in der physischen Welt aufgrund der Naturgesetze und unserer fundierten Erfahrung mit eben diesen möglich. Diese Naturgesetze gelten in der "virtuellen Welt" jedoch nicht ohne weiteres, ihr Effekt muss erst nachgebildet werden. Daher werde ich sie nun so weit sie relevant erscheinen genauer betrachten und bei der Konzeption der Raumkomponente berücksichtigen. Für die Mitarbeiterinnen der PR ist selbstverständlich, dass sie die gemeinsame Arbeitsumgebung physisch auf die gleiche Weise wahrnehmen. Obwohl sich die Abteilungsleiterin und die Mitarbeiterinnen des Sekretariats aufgrund ihrer unterschiedlichen Rollen ein unterschiedliches Bild von ihrer gemeinsamen Arbeitsumgebung und ihren Handlungsmöglichkeiten darin machen, wissen alle Beteiligten, dass sie die physische Seite der Dinge, Personen und Räumlichkeiten auf dieselbe Weise wahrnehmen – diese physische Seite ist der kleinste gemeinsame Nenner bei der Wahrnehmung der gemeinsamen 228 [Oberquelle98], S.101