Download Die Glasplattennegativsammlung der AEG
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Der inzwischen seit drei Jahren bei der AEG angestellte Werksphotograph, dessen akribisch geführtes Aufnahmen-Verzeichnis31 und detaillierte Kennzeichnung der Glasplattennegative32 die professionelle Beherrschung des Metiers bezeugen, hätte dieser Instruktionen wohl kaum bedurft. Im Unterschied zu (möglicherweise schlecht eingewiesenen) Honorarkräften dürfte er auch sehr genau gewußt haben, was im einzelnen an das Literarische Bureau zu liefern war: »Mit den Photographien sind gleichzeitig die Platten selbst einzusenden. Bei der Bestellung ist daher mit dem Photographen zu vereinbaren, dass derselbe uns die Platten und eine Photographie liefert. Die Platte allein an uns einzusenden, ist deshalb nicht zweckmäßig, weil dieselbe auf dem Transport zerbrechen kann, wir aber in diesem Fall bei gleichzeitiger Einsendung der Photographie wenigstens in der Lage sind, uns eine neue Platte nach derselben herzustellen«.33 Den zitierten qualitativen Anforderungen an photographische Aufnahmen scheint zunächst entsprochen worden zu sein, denn das Literarische Bureau thematisierte in der AEG-Zeitung nachweislich erst wieder im September 1907 die Unzulänglichkeit der bei ihm eingereichten Bilder, »die entweder eine spätere Verwendung ganz ausschließen oder die Wirkung der Reproduktion doch sehr beeinträchtigen«34. Begegnet wurde diesem Mißstand mit einer 20 Punkte umfassenden Arbeitsanweisung 35, die durch die Vermittlung von Elementarkenntnissen über die richtige Kamerapostierung und -einstellung, den Umgang mit natürlichem und künstlichem Licht sowie die Beschriftung und Verzeichnung der Platten »[…] geradezu wie ein Lehrbuch für angehende Photographen [wirkt]«36, wobei der Adressat der Winke für die Anweisungen photographischer Aufnahmen (vgl. Anlage 2) keinesfalls der Werksphotograph gewesen sein dürfte – er könnte vielmehr ihr Autor gewesen sein –, sondern die Gruppe der »im Photographieren nicht Bewanderte[n]«37 und dennoch von der AEG damit Beauftragten. Die anscheinend in noch größerem Umfang als um die Jahrhundertwende praktizierte Hinzuziehung von Honorarkräften für die Anfertigung photographischen Materials ist vermutlich darauf zurückzuführen, daß der Werksphotograph den durch die Ausweitung vorhandener und die Etablierung neuer Fertigungsstandorte zwischen 1904 und 190738 sowie die Herausgabe der für die Öffentlichkeit bestimmten Das Verzeichnis enthält die Glasplattennegativ- bzw. Aufnahmenummer, das Aufnahmedatum, den Bildinhalt sowie ggf. die auftraggebende Stelle/Fabrik. 32 Zur Kennzeichnung des Bestandes aus der Maschinenfabrik Brunnenstraße vgl. S. 30 33 Anfertigung von Photographien. – a. a. O., S. 102 34 Winke für die Anweisungen photographischer Aufnahmen. – a. a. O., S. 69 35 Vgl. ebd., S. 69/70 36 Lange, Kerstin. – a. a. O., S. 22 37 Winke für die Anweisungen photographischer Aufnahmen. – a. a. O., S. 69 38 Zwischen 1904 und 1907 errichtete die AEG auf dem Weddinger Areal ihrer Maschinenfabrik die Alte Fabrik für Bahnmaterial. Darüber hinaus verlegte sie 1904 den Bau von Turbinen an den Moabiter Standort Huttenstraße. Auf dem Gelände der Turbinenfabrik entstand 1905/06 außerdem eine neue Glühlampenfabrik. 31 Die Werksphotographie der AEG zwischen 1898 und 1945 – eine Skizze 13