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EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, es darf gelacht werden, auch in der Therapie. Schließlich lachen wir nicht über den Klienten und er (zumeist) nicht über uns, sondern wir lachen gemeinsam – über eine komische Situation, über einen Witz oder über etwas, was ihm oder mir passiert ist. Wir bemerken, wie wohltuend das ist, wie es den Klienten und uns entspannt und uns einander näher bringt – indem wir für einen Augenblick etwas Kostbares miteinander teilen, das außerhalb von Krankheit und Leid steht. Was ist witzig? Selbst ausgesprochen gebildeten Menschen mit analytischem Verstand fällt es schwer, wenn sie auf den Punkt bringen möchten, warum eine Situation oder ein Sketch witzig ist. Kürzlich ließ sich dies während eines TV-„Loriot-Abends“ wieder gut beobachten: Kommentatoren wie Helmut Schmidt, Marcel Reich-Ranicki und andere konnten es kaum zutreffend formulieren. Die formvollendete Konversation der Herren Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner in der Badewanne, der Streit um den Kosakenzipfel, eine Nudel, die weit herumkommt, eine Liebeserklärung zunichte macht und Hildegard außerdem die unangenehmen Charakterzüge ihres Gegenübers offenbart: Warum reizt uns dies immer wieder zum Lachen, und warum verursacht es gleichzeitig diesen seltsamen Druck in der Magengegend? Die Mischung macht’s Wenn Loriots Handelsvertreter innerhalb von drei Minuten ein Zimmer verwüstet, obwohl er nur ein Bild geraderücken wollte, lachen wir nicht nur, sondern wir leiden auch mit ihm. „Guter“ Humor weist oft eine Mischung von komischen und tragischen Elementen auf – erst diese Gemengelage und nicht der pure „Schenkelklopfer“ führt dazu, dass wir tief und nachhaltig amüsiert sind. Sehr billig konstruierte Witze empfinden wir als plump oder als reinen Klamauk. Der fein ausbalancierte Witz erfreut uns noch später und eben immer wieder. Gemeinsamkeiten trotz Verschiedenheit Ob und warum eine Situation, ein Witz, des einen „Lachnerv“ trifft und den anderen unberührt lässt, wird wohl nie gänzlich ergründet. Wenn wir einen Witz fassen oder ihn gar erklären wollen, verflüchtigt er sich. Auch Situationskomik und Widersprüchlichkeiten leben vom spontanen Zugang, dem tiefen „ganzheitlichen“, nicht analytischen Verstehen. Obwohl wir alle durchaus auch Verschiedenes witzig finden: Durch Lebenserfahrung und kulturelle Hintergründe ergeben sich genügend Anknüpfungspunkte, um mit einem anderen Menschen gemeinsam zu schmunzeln oder zu lachen. Alltag und Beruf bieten uns immer wieder Anlässe, uns still vergnügt alleine zu erfreuen. Besonders schön ist es jedoch, wenn wir andere zum Lächeln oder Lachen verführen können, trotz Krankheit und zweifellos vorhandener Probleme. Es darf nicht nur, es muss auch gelacht werden in der Therapie! Ihre Christa Berting-Hüneke – Chefredakteurin – [email protected] Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V. Et Reha 49. Jg., 2010, Nr. 1, Hrsg. DVE 3