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Wissenschaftlern herrscht jedoch größtenteils Konsens darüber, dass unsere Gene mitverantwortlich dafür sind, dass wir Menschen sprechen können. Bereits im Mutterbauch fänden erste Manifestationen der Erstsprache statt: Welche, inwiefern und inwieweit ist unbekannt. 2.2 Nicht immer bei vollem Bewusstsein Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist Bewusstsein eine „Veränderung von Netzwerken in der Großhirnrinde, genauer „assoziativen Kortex“.55 Die Aufgabe dieser Hirnfunktion ist festzustellen, ob eine vorstehende „Aufgabe mit vorhandenen ‚Mitteln’ gelöst werden kann.“56 Die meisten der alltäglichen Aufgaben werden durch unbewusstes Können erledigt, ohne dass wir es merken. Neue, unbekannte und wichtige Aufgaben aktivieren das Bewusstsein, das „aus vorhandenem Wissen und Können durch Ausprobieren neue Lösungen findet.“57 Nach Roth beteiligen sich an diesem geistigen Prozess, der mit Aufmerksamkeit, Problemlösen und Ich-Gefühl zu tun hat, Affekte, Emotionen, positive und negative Gefühle, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und vegetative Funktionen wie unwillkürliche Muskulatur, Drüsen und Stoffwechselvorgänge. Durch die Zufuhr oder Absperrung von bestimmten Stoffen kann der Bewusstseinzustand beeinflusst werden. Am expliziten Lernen ist Bewusstsein beteiligt. Explizites Lernen oder bewusstes Lernen ist, wenn es dem Lernenden bekannt ist, dass er gerade lernt:58 Zum Beispiel, wenn ein Schüler sich für eine Mathearbeit vorbereitet. Dauert diese Tätigkeit länger als er das erwartet, oder verlangt sie mehr Anstrengung als im Moment verfügbar ist, ohne eine Belohung, die nicht auf der Hand liegt oder keinen wichtigen Nutzen bedeutet, bewerten vermutlicherweise die daran beteiligten Gehirnprozesse, ob sich das Erledigen bzw. die Durch- oder Weiterführung der Aufgabe, der verlangten geistigen Arbeit, auf der Basis der Überlebenssicherungsmöglichkeiten lohnt. Im Gegensatz dazu kann man auch lernen, ohne es zu merken, d.h. ohne sich anstrengen zu müssen. Diese einfache Art des Lernens und des Gedächtnisaufbaus nennt man nicht-deklarativ oder implizit.59 Kinderspiele sind von implizitem Lernen gekennzeichnet, z.B. wenn sie Mutter-Vater-Kind spielen, da lernen sie soziale kulturdefinierte Rollen zu übernehmen und zu repräsentieren. Idealerweise soll jeder Lernvorgang implizit stattfinden,60 da „sich quasi als Nebenprodukt eine intrinsische Motivation einstellt und subjektiv bedeutungsvolles Handeln be- 55 Vgl. Roth 2002. Roth 2002. 57 Roth 2002. 58 Vgl. Hammond 1993, S. 62f. 59 Vgl. Kandel und Hawkins 1994. 60 Vgl. Hammond 1993, S. 62f. 56 23