Download Volltext - E-Dissertationen der UHH
Transcript
6 Kapitel 1 Erneuerung der anvisierten Produkt- und Unternehmensbereiche. Eine weitere kritische Aufgabe des Innovationsmanagements besteht hierbei in der Entwicklung eines Konsenses bzw. einer durch alle Beteiligten getragenen Projektvision unter Berücksichtigung der projektkritischen Variablen des externen Unternehmensumfeldes, insbesondere wenn diese einer erheblichen Unsicherheit unterliegen. Ein fehlender Konsens und das mangelnde Verständnis der relevanten Variablen führen in der Durchführung von Innovationsprojekten zu Reibungs- und Effizienzverlusten. Konventionelle Planungsmethoden scheitern häufig an der Komplexität dieser Aufgabenstellung1, u.a. aufgrund einer zeitlich (Gegenwartsanalyse und Extrapolation) und inhaltlich (Anzahl und Art der Variablen) eingegrenzten Betrachtungsweise oder ganz einfach durch eine mangelnde Kompatibilität mit dem Aufbau und Ablauf von Innovationsprozessen.2 So kann z.B. im Controlling eine zahlenbasierte Ex-post-Analyse zur Beurteilung eines bestimmten Sachverhaltes sinnvoll sein, sich aber im Innovationsmanagement aufgrund der unzureichenden Zukunftsperspektive nur bedingt eignen. Zudem werden statistisch schwer darstellbare weiche Einflußgrößen tendenziell vernachlässigt, wie z.B. die Auswirkungen von staatlichen Eingriffen und bahnbrechenden Inventionen. Ein weiteres Analyseproblem entsteht, wenn konventionelle Planungsmethoden die dem Innovationsmanagement eigene Komplexität nur unzureichend erfassen können, weil z.B. die gleichzeitige Änderung mehrerer Variablen unzulässig ist bzw. andere konstant gehalten werden müssen. Planungsinstrumente sind Mittel zum Zweck und sie sind insbesondere dann wertvoll, wenn sie nicht nur isolierte Ergebnisse liefern, sondern damit auch das Unternehmen in der jeweiligen Problemlösung entscheidend weiterbringen, d.h. ihr Einsatz im Innovationsmanagement muß sich an den spezifischen Zielen und besonderen Erfordernissen orientieren, um einen wesentlichen Beitrag zur Ergebnisverbesserung leisten zu können. Es stellt sich entsprechend die Frage, welche Planungsinstrumente dem Innovationsmanagement zur Verfügung stehen, um die Vielfalt der komplexen Entwicklungen im Unternehmensumfeld zu identifizieren, zu analysieren und in strategische Entscheidungen einfließen zu lassen bzw. zur Grundlage der Steuerung von Innovationsprozessen zu machen. 1 Vgl. u.a. Reibnitz, U.: Scenario techniques, S. 16: Conventional forecasting centres on analyzing an existing status quo situation and, by means of some formula, asks how this current situation might be projected into the future. Using this approach, many forms of classical forecasting do not take into account influences by external company environments; thus they merely extrapolate an existing internal situation. 2 Vgl. auch die Ausführungen von Zerres, M. zur abnehmenden Bedeutung von quantitativen Prognosemethoden in Franke, R. / Zerres, M.: Planungstechniken; Instrumente für erfolgreiche Unternehmensführung im internationalen Wettbewerb, S. 68