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GERD — EIN VORGEHENSMODELL ZUR INTEGRATION VON GENDER/DIVERSITY IN DIE INFORMATIK 211 210 DRAUDE, MAAß, WAJDA den Blick zu nehmen. So verschieben sich z. B. je nach unterschiedlicher Lebenslage der Forschenden Prioritäten, aber auch gesellschaftspolitische Themen motivieren Ausschreibungen und bestimmen so, wozu und für wen geforscht wird. Welche Personen über die Inhalte der Forschung bestimmen können und wessen Interessen nachgegangen wird, ist u. a. an ihre Stellung im sozialen Netz gekoppelt. Hier lassen sich Verbindungen zu Gender- und Diversity-Aspekten herstellen, die marginalisierte Positionen sichtbarer machen können. Auch weitere Entscheidungen, die im Forschungs- und Entwicklungsprozess getroffen werden, sind stets mit sozialen Kategorien verknüpft. So ist die Person, die ein Intelligentes Haus reinigen soll, auf andere Weise von der Technik betroffen, als die Person, die in diesem Haus wohnt. Und die Entscheidung, eine Open-Source-Plattform zu benutzen, kann den Entwickelnden besonders entgegenkommen, aber vielleicht für die künftigen Nutzenden eine Herausforderung darstellen. RELEVANZ Das Nachdenken über die Relevanz umfasst eine Reflexion darüber, woher das Interesse an der Forschung stammt und für wen sie ein wichtiges Thema ist. Die zentrale Frage ist, wie etwas zu einem wichtigen Thema wird und wer in der Position ist, das zu bestimmen. Die Beantwortung dieser Frage wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Gesellschaftliche Themen, Stimmungen und Meinungen spielen eine Rolle, aber auch das Auftauchen neuer Technologien kann die Forschung in eine neue Richtung lenken. Interessen von Sponsoren und Vorgaben durch Ausschreibungen, die Politik des jeweiligen Forschungsinstituts u. Ä. fördern bestimmte Forschungsgebiete vorrangig, während sich durch persönliche Interessen, Anforderungen und Lebenslagen wiederum neue Forschungsfragen ergeben. Mögliche Fragen, die hier anschließen sind: Ň Wie wurden bisher Prioritäten im Forschungsfeld gesetzt? Ň Was wird als Forschungslücke gesehen? Ň Welche gesellschaftlichen Bereiche wurden bislang bevorzugt behandelt? Welche Bereiche wurden vernachlässigt? Ň Wie wird mit gesellschaftlich marginalisierten Themen umgegangen? Ň Gibt es marginalisierte Themen, die bedeutsam erscheinen, aber für die es schwierig ist, Gelder zu akquirieren? Ň Werden Bereiche und Themen, die traditionell als weiblich verstanden werden, eher vernachlässigt? Ň Wie steht es mit Anforderungen von Menschen, die besondere körperliche Befähigungen oder Bedürfnisse haben (z.B. Krankheiten oder besondere körperliche Befähigungen, soziale Benachteiligung, ökonomisch schwache Gruppen oder Personen)? Ň Wessen Interessen nimmt das Forschungsvorhaben konkret wahr? Ň Für welche Personen oder Personengruppen sind die Ergebnisse von Bedeutung? NUTZEN Bei der Reflexion über den Nutzen eines Vorhabens geht es darum, ein umfassendes Bild von zukünftigen Nutzenden und Nutzungskontexten zu erstellen. Wichtig sind Fragen danach, wer von der Forschung profitieren wird und wie inklusiv die zu entwickelnde Technologie funktioniert. Beispiele für solche Fragen sind: Ň Wem soll die Forschung nutzen? Ň Welches sind die antizipierten Nutzenden? Ň Lassen sich Technikfolgen oder Folgen der Forschung für bestimmte Nutzungsgruppen abschätzen? Ň Welche Bevölkerungsgruppen werden mitgedacht? Schließen die Technologien evtl. bestimmte Bevölkerungsgruppen aufgrund sozialer Kategorien wie z.B. Alter oder körperlichen Befähigungen aus? Wenn ja, welche und warum? Ň Für welchen Nutzungskontext wird die Technik oder das Modell geplant? Ähnliche oder sogar der gleiche Kontext oder der gleiche Ort kann sich für unterschiedliche Personen auch ganz unterschiedlich darstellen. Wird dies berücksichtigt? Wie bettet sich das Vorhaben in den Kontext ein? Wie wird es ihn verändern? Was bedeutet das für unterschiedliche Beteiligte? WISSEN In der Wissenschaft geht es um die Produktion, Weiterentwicklung, Kritik und Reflexion von Wissen. Aus einer Gender- und Diversity-Perspektive gilt es zu fragen, wessen Wissen als relevant angesehen wird und wie dies in der Folge wissenschaftliche und technologische Diskurse bestimmen kann. Zudem trifft Wissenschaft Aussagen über Menschen und menschliche