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Wirtschaft
Rückbesinnung auf gesunden
Menschenverstand
Dipl.-Betriebswirt Hartmut Volk
Für den Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Dr. Karl Niehues
aus dem westfälischen Münster werden theoretisches Wissen
zur Unternehmensführung und immer wieder neue Managementmethoden bedenklich überschätzt. Mit dieser Ansicht
steht der Mann nicht allein auf weiter Flur.
E
s gibt noch einen, der das noch ungeschminkter sagt – Professor Fredmund Malik, Präsident des Verwaltungsrates des Managementzentrums
St. Gallen. Bei dem hört sich das so an:
„Die Managementliteratur selbst ist in so
hohem Maße wertlos, dass es sich, von
wenigen Ausnahmen abgesehen, praktisch nicht lohnt, sie durchzuarbeiten!“
Also mahnt Niehues die Rückbesinnung
auf den gesunden Menschenverstand
bei der Betriebsführung an und verweist
auf seine langjährigen Erfahrungen, die
ihm, wie er sagt, das folgende Bild zeigen.
Betriebsinhaber mit gesundem Menschenverstand lernen schneller aus ihren
Fehlern, und sie machen vor allem keine
ruinösen Fehler. Sie sind optimistische
Realisten, pflegen zum Risiko ein ausgewogenes Verhältnis und wissen, welche
Risiken sie eingehen dürfen und welche
sie sich nicht leisten können, weil es den
Betrieb ruinieren würde, träte der Risikofall ein. Probleme lösen sie sofort und
nicht erst dann, wenn aus einem kleinen
Problem durch endloses Analysieren
oder sonstiges Aufschieben ein großes
und kaum mehr lösbares geworden ist.
Vor allem aber beherzigen sie instinktiv
das Handlungsmotto eines ausgewiesen
erfolgreichen Unternehmers, des IkeaGründers Ivar Kamprad: „Einfachheit ist
eine Tugend. Einfachheit gibt Stärke“.
So erwirtschaften sie mit einer begrenzten Mitarbeiterzahl wesentlich höhere
Renditen als vergleichbare Betriebe mit
größerer Belegschaft. Dadurch schaffen
sie mittel- und langfristig sicherere Ar-
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INFORMATION 1·04
beitsplätze als mit einem aufgeblähten
Personalkörper. Mit dem Ergebnis, dass
viel Unruhe aus dem Betrieb genommen
wird, die Identifikation mit den betrieblichen Belangen wächst, die Konzentration auf die Arbeit gelenkt und die betriebliche Performance spürbar besser
wird.
Vertrauen der Mitarbeiter. Sie erkennen
deren Stärken und setzen sie entsprechend ein. Sie wissen aber auch, dass
Schwächen von Mitarbeitern nur selten
wirklich behebbar sind. Was sie nicht davon abhält, auf Lernen und Weiterbildung großen Wert zu legen und neben
dem Fordern auch das Fördern nicht zu
vergessen, was sie aber davor bewahrt,
sowohl die Möglichkeiten des einen wie
des anderen zu überschätzen. Folglich
trennen sie sich rechtzeitig von Belegschaftsmitgliedern, die ihre Aufgaben erkennbar nicht erfüllen und auch nicht an
anderer Stelle im Betrieb Nutzen stiften
können oder die nicht in die Betriebsgemeinschaft passen und somit ein permanenter Störfaktor sind.
Enger Kontakt zu den Mitarbeitern
Den Markt immer im Auge behalten
Unternehmer mit gesundem Menschenverstand meiden Motivationsgurus und
zeitgeistig-agile Berater. Sie fallen auch
nicht der Botschaft zum Opfer, dass die
Arbeit den Mitarbeitern immer und
überall Spaß machen muss. Ihnen ist
klar, was der bemerkenswert zeitgeistunabhängig denkende Managementlehrer
Malik immer wieder betont: „Wirtschaft
und Gesellschaft kämen innerhalb weniger Minuten zum Stehen, wenn nur die
Arbeiten verrichtet würden, die Spaß
machen!“ Und sie wissen um den hohen
Wert guter Zusammenarbeit, glauben
aber nicht – auch darin zeigt sich Niehues geistesverwandt mit Malik – den
derzeitigen Sirenengesängen von der
Allmacht der Teamarbeit.
Dafür aber sind sie Vorbild für ihre Mitarbeiter. Sie beherzigen die alte Weisheit
„Das Auge des Herrn macht die Kühe
fett!“, kümmern sich konsequent um
das unmittelbare Geschehen im Betrieb,
halten Kontakt zu und legen Wert auf
den Erfahrungsaustausch mit ihren Leuten.
Trotz – oder gerade wegen? – ihres
„straffen“ Führungsstils haben sie das
Unternehmer mit gesundem Menschenverstand wissen: Die entscheidende
unternehmerische Leistung ist ein marktfähiges Angebot. Marktfähig bedeutet
dabei: Mit den Erlösen lassen sich erstens
die betrieblichen Kosten decken, zweitens Reserven bilden und drittens der eigene Lebensunterhalt bestreiten. Bei
Preiskalkulationen setzen sie nicht auf
komplizierte Rechnerprogramme. Das
Rechnen ist für sie immer wichtiger als
der Rechner. Das Erkennen marktfähiger
Angebote sehen sie nicht als komplizierten, kosten- und zeitaufwändigen strategischen Analyse- und Entscheidungsprozess. Die Angebotsentwicklung erfolgt
bevorzugt nach dem Try- und Error-Prinzip. Wobei eigene Markterfahrungen
ebenso eine Rolle spielen wie die eigenen Möglichkeiten und die Chancen, die
neue Materialien, Techniken und/oder
Bedürfnisse eröffnen.
Bei der Betriebsausstattung orientieren
sie sich weniger an der Höhe günstiger
Kredite oder an der steuerlichen Absetzbarkeit und mehr an der Frage: Was
brauche ich unbedingt, um das Angebot