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WIRTSCHAFT DIE ZEIT Nr. 36 23 Illustration: Smetek für DIE ZEIT, www. smetek.de 31. August 2006 Strategie-Workshop in Salzburg Frachter in der Flaute Wirbel in den Wolken Bis Ende der Woche dürfte die Frage geklärt sein, wie es mit dem größten europäischen Touristikkonzern weitergeht. Die Chefs von Tui treffen sich am Mittwoch und Donnerstag in der Nähe von Salzburg, um eine Antwort zu finden. Sie stehen unter Druck, denn das Unternehmen aus Hannover kämpft mit vielen Problemen. Richtig rund läuft es derzeit weder bei den Fluggesellschaften noch bei den Schiffen oder Pauschalreisen. Der Kurs der im Dax notierten Tui-Aktie sank während der vergangenen zwölf Monate um ein Viertel. Bis zum Redaktionsschluss am Dienstag hielten sich die Beteiligten zurück. Aus dem Umfeld des Aufsichtsrates hieß es, man müsse sich erst noch genauer informieren. Tui betonte, dass es sich nicht um eine Krisensitzung handele, sondern um »das reguläre jährliche Strategietreffen des Vorstands mit dem Aufsichtsrat sowie weiteren führenden Managern«. Mehr als 140 Schiffe fahren für die Konzerntochter Hapag-Lloyd, die fünftgrößte Container-Reederei der Welt. Gemessen am Umsatz, war das Frachtgeschäft stets profitabler als der Tourismus, allerdings meldete TUI für das zweite Quartal 2006 einen Verlust in der Sparte. Verantwortlich seien die Kosten für die Integration der kanadischen Reederei CP Ships, die TUI 2005 gekauft hatte. Zudem hätten gesunkene Frachtraten und höhere Treibstoffpreise das Ergebnis belastet. »Hapag-Lloyd ist nicht das einzige Unternehmen, das Bunkeröl auf dem Markt kaufen muss«, sagte TUI-Finanzvorstand Rainer Feuerhake kürzlich. Das sei kein spezielles Problem des Konzerns, denn die Konkurrenten hätten darunter ebenfalls zu leiden. Seit Ende Juni haben Hapagfly und HLX einen gemeinsamen Tarifvertrag und demnächst auch einen einheitlichen Flugplan. Christoph Müller, Leiter der TUI-Flugsparte, wird damit zwei Probleme los, die einer Vereinigung der beiden TUI-eigenen Fluglinien bisher im Wege standen. Aber da sind ja noch die fünf anderen Fluglinien des Konzerns in verschiedenen Ländern. Und auch in Deutschland ist die Zukunft weiter offen: Selbst gemeinsam dürften die 51 Maschinen von Hapagfly und HLX nicht ausreichen, um den Konkurrenten Air Berlin ernsthaft zu bedrängen, denn der hat nach der Übernahme der dba nun eine Flotte von 84 Maschinen. Weiter zukaufen? Condor oder die defizitäre LTU sind vielleicht bald zu haben. Analysten empfehlen TUI-Vorstandschef Michael Frenzel das Gegenteil. Doch bislang ist dieser nicht bereit, seine Fluggesellschaften abzustoßen. Nichts Besonderes also? Die Strategie ist ein heikles Thema bei Tui. Waren alle Entscheidungen von Vorstandschef Michael Frenzel richtig, der das einstige Industriekonglomerat Preussag in einen Touristik- und Schifffahrtskonzern umbaute? Als der 59-jährige Jurist Ende der achtziger Jahre zur Preussag AG kam, stieß er nach und nach alles ab, was nichts mit Logistik und Touristik zu tun hatte. Stattdessen kaufte er unter anderem die Reederei Hapag-Lloyd und 1999 die Touristik Union International (Tui), die später dem gesamten Konzern den Namen gab. Heute beschäftigt Tui weltweit knapp 63 000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 19,6 Milliarden Euro. Auch Personalien sollen bei dem Treffen entschieden werden. Angeblich stehen die Manager Sebastian Ebel und Eric Debry vor dem Abgang. Tui will das bislang nicht offiziell kommentieren. Harte Zeiten für Europas größten Urlaubskonzern. Eine Rundreise zu den Baustellen der TUI AG VON M. ROHWETTER UND M. THIELE Ratlos im Reisebüro Ob Airtours, L’tur oder Robinson Club: Überall ist Tui drin. Der Urlaubsriese gebietet über 75 Veranstalter, 3300 Reisebüros und 165 000 Hotelbetten. Das Geschäftsmodell nennt sich »integrierter Tourismuskonzern«. Tui bietet die Beratung im Reisebüro, den Flug und das Hotel aus einer Hand – und verdient an jeder Stelle. Das Konzept ist stark auf Pauschalreisen zugeschnitten, nur: »Pauschalreisen verlieren an Bedeutung«, glaubt etwa die Unternehmensberatung Mercer. »An die Stelle der klassischen Badeferien mit einer Länge von ein bis zwei Wochen treten heute mehrere kürzere Reisen.« Hinzu kommt, dass sich Kunden im Internet ihre Reisebestandteile bei diversen Anbietern zunehmend selbst zusammenstellen.