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Umbruch SUG 01-09
18.12.2008
14:51 Uhr
Seite 19
Jung und Alt bewegen
Spiel- und Bewegungsräume als neue Herausforderungen für die Freiraumplanung
Nadja Schuh
S
Schöningen/Niedersachsen 1999:
Einweihung des ersten „Seniorenspielplatzes“ in Deutschland. Bayerische Landesgartenschau Neu-Ulm 2008, Eröffnung
des „Generationenparks Wiley”. Seniorenzentren richten Aktionsparcours ein.
Gemeinden schaffen Bewegungsräume für
Senioren in Stadtparks. Die GaLaBau 2008,
Fachmesse für Urbanes Grün und Freiräume, veranstaltet eine Fachtagung zum
Thema „Gärten für Senioren“ und auch in
Wien widmet sich das Spiel- und Freiraumsymposium 2008 „Jung.Alt.Spielt!“
dieser Thematik. Dies sind nur einige der
vielen Ansätze, urbanes Grün zeitgemäßen
Anforderungen anzupassen. Ausgelöst
durch den demografischen Wandel,
suchen seit einigen Jahren auch Landschaftsarchitekten und Spielgerätehersteller nach neuen konzeptionellen Lösungen
für die Gestaltung und Ausstattung von
Spiel- und Sportflächen. Nicht zuletzt entdecken Gemeinden das Aktionsfeld „Parks
als Gesundvorsorge“ als neue Standortqualität im sich verschärfenden Wettbewerb der Städte um Lebens- und Wohnqualität.
Grün für die „Volksgesundheit“
zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Bereits 1834 plante Peter Joseph Lenné
eine Grünraumgestaltung für eine Charité
mit dem Anspruch, durch Blumen- und
Schmückbeete ästhetischen Aspekten wie
therapeutischen Anforderungen gleichermaßen gerecht zu werden1). Im Zuge der
Industrialisierung gewannen Grünflächen
als Ort der Regeneration und des sozialen
Treffpunkts zunehmend an Bedeutung. Als
Reaktion auf die katastrophalen Lebensbedingungen in der industriellen Großstadt
und das Bedürfnis der Stadtbewohner, sich
an der frischen Luft aufzuhalten und Spiel,
Im Generationengarten BerlinKreuzberg versorgen Senioren und
Kindergartenkinder gemeinsam die
jungen Tomatenpflanzen
Foto: Büro planwerkstatt,
Katrin Bastian
Sport und Erholung im Freien zu genießen,
entstand die Volksparkbewegung2). Ihr ist
maßgeblich die heute noch erlebbare
Durchgrünung der Städte zu verdanken.
Mit dem Bewusstsein, Freiflächen im Siedlungsraum als sanitäres Grün zu betrachten, wird die Grünplanung als öffentliche
Aufgabe erkannt und institutionalisiert.
Die Landschaftsarchitektur steht damit zu
Beginn des 20. Jahrhunderts vor der
Herausforderung, in Stadtparks nicht mehr
nur den repräsentativen Wert zu sehen,
sondern vielmehr den gesellschaftlichen
und gesundheitlichen Nutzen. Spiel- und
Sportsplätze entstanden in den Grünanla-
gen3). Darüber hinaus sah das VolkparkKonzept für Ältere räumlich abgetrennte
Ruhezonen und Rückzugsbereiche vor, die
zum Flanieren und Beobachten der Spielenden und Betrachten der Schmuckpflanzungen einluden. Mit dem Ziel der „Volksgesundheit“ wurde ein Boom ausgelöst,
Freiräume im Wohnumfeld als Erholungsangebot für Familien, insbesondere für die
Arbeiterschicht, zu schaffen. Also: Bewegungs- und Regenerationsräume zur
Gesundheitsvorsorge für alle Altersgruppen der Stadtbevölkerung sind demnach
nichts Neues!
Stadt + Grün 1/2009
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