Download - UFA

Transcript
AKTUELL
FENACO
sein. Die Bäuerinnen arbeiten auf vielen Betrieben intensiv mit, wie dies die
erst kürzlich präsentierte Zeitbudgetstudie von Agroscope bewiesen hat.
Dieses Engagement der Bäuerinnen soll
in den landwirtschaftlichen Gremien
besser anerkannt werden. Unsere Offensive ist in das Projekt «Frauen und
Männer in der Landwirtschaft» eingebettet, welches vom Bundesamt für
Landwirtschaft unterstützt wird. Da die
fenaco-Verwaltung aus den Genossenschaftsvorständen rekrutiert wird, ist es
wichtig, dass sich die Bäuerinnen in
den regionalen LANDI-Vorständen
engagieren.
Bernadette Kündig: In vielen
LANDI-Vorständen sind Frauen
anzutreffen. Wir haben auch zwei
Frauen im Vorstand der LANDI
Schwyz. Aber das haben wir bewusst angestrebt. Das kommt nicht
von allein. Aber jetzt, und das ist
ein Aufruf an sämtliche Männer
in der Unternehmensgruppe,
bemüht euch um Frauen!
Annekäthi Schluep: Eine Frau
reagiert, wenn sie für ein Amt
angefragt wird, oftmals auf den ers-
Bernadette Kündig,
LANDI-Geschäftsführerin
Schwyz
Es gibt rund 218 Mitglied-LANDI in der Schweiz. Eine davon wird von
einer Frau geleitet: Es ist die LANDI Schwyz mit der Geschäftsführerin
Bernadette Kündig-Blättler. Angefangen hat sie 1985. Heute hat die
LANDI Schwyz 30 Mitarbeiter und ist massgeblich in den Geschäftsfeldern Agrar und Detailhandel tätig. Bernadette Kündig-Blättler war
lange Jahre politisch engagiert. Heute ist sie Präsidentin des Vereins FFS
(Freiwillig und ehrenamtlich für Schwyz). Sie habe den LANDI-Virus in
sich, erklärt Bernadette Kündig. Genossenschaft als Rechtsform sei sehr
gut, vor allem das Prinzip 1 Mitglied gleich 1 Stimme. Die LANDI-Geschäftsführer sind schweizweit in der Geschäftsführervereinigung
zusammengeschlossen, welche in Arbeitsgruppen Themen bearbeiten
und intensiven Kontakt zu den fenaco-Geschäftsbereichen und
Tochterfirmen pflegen. Bernadette Kündig leitet die Arbeitsgruppe
«Betriebswirtschaft/Aus- und Weiterbildung».
Mehr über die LAND Schwyz www.landischwyz.ch.
6
ten Blick abwehrend. Sie fragt sich, ob
sie Zeit dafür hat. Oder hat Zweifel, ob
sie dafür geeignet ist. Wälzt für sich Argumente hin und her. Aber die Frauen
können das genauso gut wie die Männer.
Marie-Therese Lütolf: Eigentlich
sollte es nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Fähigkeiten ankommen.
Und es gibt genauso viele fähige Frauen,
wie es fähige Männer gibt. Ich unterstütze die Forderung der Landfrauen.
Schlussendlich gäbe es nur Gewinner
auf allen Seiten. Männer und Frauen
sind auf den Bauernbetrieben gleichberechtigte Partner und das muss auch in
den Gremien so sein.
Ist es nicht eine Frage der Branche: Im Bereich Bildung, Kultur und Soziales hat es
sehr viele Frauen, aber in Handelsunternehmen zählt vor allem der Umsatz und
es gibt kaum Frauen, das ist auch ausserhalb der Landwirtschaft so.
Bernadette Kündig: Dieses Argument wird durch jede Bäuerin, die ihre
Verantwortung wahrnimmt, widerlegt.
Bäuerinnen haben auf ihren Betrieben
mit Handel, Konsum, Umsatz, Einkommen und Finanzen zu tun. Ich finde:
Wenn unsere Unternehmensgruppe beschliessen würde, in fünf Jahren in all
unseren Gremien mindestens zwei Frauen zu haben, kann das ohne weiteres
realisiert werden.
Bäuerinnen kennen
die Bedürfnisse
der Konsumenten.
Marie-Therese Lütolf: Ja, das ist
möglich. Das Potenzial an engagierten
und kompetenten Bäuerinnen ist da. In
unserem Unternehmen wird strikt geplant, also kann unser Anliegen ohne
weiteres auch in eine Fünfjahresplanung
aufgenommen werden.
Sie geben mit zwei Frauen pro Gremium
eine Art Quote vor. Fordern Sie generell
eine Frauenquote?
Annekäthi Schluep: Eigentlich bin ich
gegen Quoten. Aber wir werden wahr-
scheinlich in diese Richtung gehen müssen. Besser wäre es, wenn Männer, die
in den nächsten Jahren aus landwirtschaftlichen Gremien ausscheiden, gezielt durch Frauen ersetzt würden. Die
fenaco-LANDI Gruppe zählt auf eine aktive und produktive Landwirtschaft und
muss Frauen in ihren Gremien haben.
Bernadette Kündig: Wir haben keine
Mühe, wenn es um Regionalquoten in
der fenaco-LANDI Gruppe geht. Dann
gibt es auch Quoten nach Produktionsrichtung, damit Milchwirtschaft genauso gut vertreten ist wie die Schweineproduzenten oder Ackerbauern. Aber
wenn es um Frauen geht, sind Quoten
plötzlich ein Problem?!
Annekäthi Schluep: Es gibt Quotengegnerinnen, die behaupten, bei einer
Quote, würden sie nur aufgrund des Geschlechts gewählt werden. Was absoluter Humbug ist, kein Mann hinterfragt
seine regionale Quote. Vorbildlich hat
es übrigens der Schweizer Bauernverband gemacht: Jahrzehntelang war nur
eine Frau im Vorstand, heute sind es
drei – eine Frau aus dem Jura, unsere
Präsidentin und die Vizepräsidentin.
7-8 2014 · UFA-REVUE