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Machtjunkies - Eine SMILE-Geschichte
„Freiheit ist nie gegeben, stets bedroht.“ (Adorno)
-2Die vielen Sitzungen mit dem elektronischen Erzieher waren schon längst Routine geworden,
doch das eigenartige Gefühl im Kopf danach, wie aufgedreht, genoß er immer noch wie beim
ersten Mal. (Schade, daß es immer nur so kurz anhält.) Julian Henderson öffnete träge die
Augen und sah beiläufig aus dem Fenster seiner ‘Super Aviation’ auf die Landschaft unter sich.
Sein Blick wanderte vom Kabinenfenster mit zufriedenem Besitzerstolz über die
verschwenderisch ausgestattete Inneneinrichtung seines Privatjets. Ihm gegenüber, sichtlich
entspannt, saß Michael Strauch und nippte an einem geeisten Mangosaft. Man sah diesem
seine nordischen Vorfahren auf den ersten Blick an. Er war 1.95m groß, blond mit klaren
blauen Augen, die immer aufmerksam in die Welt blickten und denen nichts zu entgehen
schien. Sein Körper strahlte die Geschmeidigkeit einer schläfrigen Raubkatze aus: scheinbar
unbeteiligt doch zum Töten bereit. Strauch war der Meisterschüler und erste Absolvent von
Hendersons vor einem Jahr gegründeten Ausbildungszentrum für handverlesene,
hypnogeschulte und intelligenzgesteigerte Agenten. Der Manager hatte diesen bisher
einzigartigen Mann zu seinem Privatsekretär und Bodyguard gemacht und hatte bisher noch
keinen Anlaß zur Kritik gehabt.
(Diese Ausbildung mit den Intelligenzviren und dem elektronischen Erzieher läuft gut an. Die
Behandlung der ersten dreißig Agenten ist weitgehend abgeschlossen. Wenn Savallas nicht so
ein Ärgernis für mich wäre, dann könnte ich die Zahl der Rekrutierungen leicht erhöhen. Am
liebsten würde ich diesen Westentaschenmafioso bei Gelegenheit durch einen meiner neuen
Kämpfer, den ich völlig in der Hand habe, ersetzen. Leider geht es über meine Kräfte, in dieser
kritischen Zeit auch noch die Sicherheitsabteilung persönlich zu führen.)
„Haben Sie Vorschläge, Strauch, wie man den Ausbildungsplan Ihrer Kollegen auf der Ranch
noch verbessern kann?“
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Sie hatten ihm eine farblose Flüssigkeit gezeigt und versichert, daß alles ganz
harmlos wäre. Dennoch spürte er den metallischen Geschmack der Angst auf der
Zunge. Der Gedanke daran, er könnte im schlimmsten Falle den Verstand verlieren,
erschreckte ihn erheblich mehr als der Gedanke an den Tod.
Als die unpersönlichen Männer in den weißen Kitteln die Spritze aufzogen, brach
er fast in Panik aus. Es dauerte angeblich nur dreißig Sekunden lang, aber es war
ihm unendlich viel länger vorgekommen, dann hatte er die künstlichen Lebewesen
in seine Halsarterie gespritzt bekommen. Dann passierte ¼ gar nichts! Michael
spürte, wie sich kalte Schweißperlen auf seiner Stirn bildeten. Seine Hand wollte
aufwärts zucken, doch die Riemen, mit denen sie fixiert war, verhinderten, daß er
den Schweiß abwischen konnte.
Ein paar Minuten später begann sich seine Wahrnehmung zu verändern. Er fühlte
sich wie unter einer starken Droge. Sein Körper schien mehr Adrenalin zu
produzieren. Herzschlag und Atmung beschleunigten sich. Die Stimmen der Arztes
wurde plötzlich lauter und die Farben intensiver. Er hatte den Eindruck, alles viel
schärfer, viel genauer zu sehen.
Michael hatte das Gefühl, sich aufzulösen. Seine Panik steigerte sich ins
Unermeßliche.
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