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Machtjunkies - Eine SMILE-Geschichte „Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.“ (Francis Picabia) -3Seit sechs Stunden lagen Wizard und Gunilla im Bett und machten Liebe. Die Tantra-Liebe hatten sie seit einem Jahr geübt; von mal zu mal beherrschten sie sie besser. Von mal zu mal wurde es intensiver und von mal zu mal konnten sie etwas länger durchhalten, ohne vorzeitig einen Orgasmus auszulösen. Immer, wenn bei einem von beiden die Erregung zu stark wurde und ein Orgasmus drohte, gaben sie dem anderen ein Zeichen. Dann machten sie einen Moment Pause, gingen an den mit Krabben, Langusten, Salaten, Weißbrot und Tee gedeckten Tisch, aßen, genossen das Essen und genossen es, den anderen anzusehen, und ließen die Erregung langsam etwas abklingen, nur um sich nach kurzer Zeit einander wieder in die Arme zu fallen. Sechs Stunden lang war die Spannung in Wizard gewachsen; er fühlte sich, als wäre sein Nervensystem mit 1.000.000 Volt geladen. Durch einen fluoreszierenden Schleier goldener Farbe nahm er Gunillas Gesicht wahr. Es war selig entspannt und stark gerötet, die Pupille unnatürlich erweitert - er konnte keine Iris mehr sehen. In diesem Zustand sah sie wie ein sechzehnjähriges Mädchen aus. Die Spannung nahm zu. Glühendes Metall schien durch seine Adern zu rollen. Er hatte das Gefühl, als würde er zerplatzen. Sein Gesichtsfeld trübte sich zusehends; Gunilla verschwand für ihn hinter wogenden Schleiern goldener Farbe. Dann brach es aus ihm hervor. Dies war kein Orgasmus. Dies war etwas völlig anderes. Sein Leben lief in kaleidoskopartigen Bildern vor seinem inneren Auge ab. Er verstand den Begriff Karma nun. Er fühlte die Zusammenhänge, das komplizierte Wechselspiel von Ursache und Wirkung. Das komplizierte Gewebe des Schicksals, das alle Menschen, alles Leben zusammenhielt, das Rad des Lebens, das sich immer weiterdrehte. Er verstand intuitiv, wie blind die Menschen durchs Leben gingen, die selben Fehler immer und immer wieder machten. Er erlebte den Schock seiner Geburt noch einmal, die Phase davor - ungeboren im Mutterleib. Die reißende Flut der Bilder trug ihn weiter. Er sah das Leben davor (Stukapilot in Görings Luftwaffe, mit zweiundzwanzig Jahren in der Sowjetunion nahe Kursk abgeschossen), das Leben davor (Kulake im zaristischen Rußland), das Leben davor (Raubritter in der Burg Drachenfels am Rhein), das Leben davor (Kurtisane am Hof von Konstantinopel), und der Vorgang beschleunigte sich immer mehr. Sein Leben als Mensch verging und er sah sich als Tier. Sein Leben als Tier verging und er sah sich als Pflanze. Er sah sich als Mineral. Dann war da nur noch weißes Licht, in dem er zu schweben schien. SATORI ! Als die reine Ekstase, das Gefühl der völligen Auflösung des Körpers den Höhepunkt erreichte, begann er zwanghaft zu schluchzen - zu schluchzen vor Mitleid und Scham für seine Mitmenschen. Das Mahayana-Ritual dröhnte immer wieder in seinen Ohren; jede Faser seines Körpers vibrierte in ihrem Takt, regenbogenartige Farben produzierend. l a r e n o ir vm.tw o Dn.c F.zeo D w w P ir T w e Z Alle Wesen, ein Körper, wir geloben zu befreien! Endlos blinde Triebe wir geloben zu entwurzeln! Karma-Tore unzählig wir geloben zu durchdringen! Den hohen Weg Buddhas wir geloben zu erringen! 81