Download Performance-Modellierung und Simulation eines SAP

Transcript
Fazit
182
6 Fazit
Vor dem Hintergrund, die Leistungsfähigkeit von Computersystemen zu bewerten, haben sich
im wissenschaftlichen Umfeld verschieden Methoden der Performance-Evaluation etabliert
(vgl. Kapitel 2.3). In Bezug auf ERP-Systeme und Unternehmenssoftware im Allgemeinen
werden diese Möglichkeiten in der Praxis jedoch nur teilweise genutzt. Die Analyse beschränkt sich hauptsächlich auf die Überwachung aktueller Leistungsdaten mittels integrierter
Funktionen (vgl. Kapitel 1.1). Ziel dieser Arbeit war es daher, das Leistungsverhalten eines
SAP-Netweaver-Portal-Systems mit den auf den Warteschlangennetzen basierenden LQNs zu
beschreiben und durch Simulation des Performance-Modells die Leistung bei steigenden Benutzerzahlen zu bewerten. In diesem Kapitel werden nun die erzielten Ergebnisse zusammengefasst und bewertet. Abschließend werden die mit den Ergebnissen einhergehenden Limitationen aufgezeigt und ein Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten gegeben.
6.1 Bewertung und Interpretation der Ergebnisse
In Kapitel 3 wurde die in Forschungsfrage 1 gestellte Frage, wie ein SAP-Netweaver-PortalSystem für die Performance-Modellierung und Simulation charakterisiert werden kann und
welche Analyseinstrumente die benötigten Informationen bereitstellen, beantwortet. Dabei
wurden einzelne Komponenten des Systems betrachtet, die in der Literatur als PerformanceIndikatoren genannt werden. Mithilfe den theoretischen Grundlagen aus Kapitel 2, den Erfahrungen am SAP UCC der TU München sowie der SAP-Systemdokumentation konnten Methoden zur Leistungsdatenerfassung und -auswertung gesammelt werden. Die Qualität der
Daten ist für die Parametrisierung der Modellkomponenten ausreichend, wenngleich nicht
immer eine nicht intrusive Monitoring-Lösung eingesetzt werden konnte. Ebenso stellen die
vorhandenen Möglichkeiten zur Leistungsdatenerhebung eine Limitation bei der Auswahl der
Granularität dar, diese genügen jedoch den Anforderungen des in dieser Arbeit vorgestellten
komponentenorientierten Ansatzes. Eine Übersicht der Komponenten, Einflussfaktoren sowie
Möglichkeiten zur Datenerfassung wurde in Tabelle 4-1 dargestellt.
Die Beantwortung der Forschungsfrage 2, wie ein SAP-Netweaver-Portal-System mittels
LQN modelliert und parametrisiert werden kann, wurde in Kapitel 4 behandelt. Dabei wurden
zu Beginn die Grundannahmen, die sich direkt aus der Warteschlangentheorie ableiten, dargestellt. Sowohl die Erfahrungen in der Literatur (zum Beispiel Cheng (2008)) als auch die in
dieser Arbeit erhobenen Leistungsdaten zeigen, dass sich Warteschlangennetze für die Modellierung eines SAP-Netweaver-Java-Systems bis zu einem hohen Auslastungsgrad eignen. Erst
im Voll- und Überlastbereich bedingen äußere Einflüsse ein Systemverhalten, das sich nicht
vollständig mit den idealisierten Grundannahmen deckt. Die Modellierung des JavaSpeichermanagements ist mit LQN nur teilweise möglich. Ein Ansatz zur statischen Modellierung wurde in dieser Arbeit vorgestellt, der in bestimmten Situationen Vorteile gegenüber
der in der Literatur stets verwendeten impliziten Parametrisierung verspricht (vgl. Kapitel 4.2.6 sowie Kapitel 5.8.1). Zudem ist mit der Modellierung des Sperrmechanismus eine
detaillierte Analyse des Sperrverhaltens möglich. Diese Erweiterungen stellen einen Mehrwert zu der in der Literatur verwendeten impliziten Parametrisierung dar, da die explizite
Modellierung die Anzahl der benötigten Messreihen stark reduziert.