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2.1 Geschäftsprozessmanagement
der Verwaltung. Wenn heute von „Geschäftsprozessen“ gesprochen wird,
sind also immer Prozesse in der Verwaltung eines Unternehmens gemeint,
nicht die eher kleinschrittigen Prozesse zur Produktion eines bestimmten
Produktes. Dies ist auch in dieser Arbeit so zu verstehen.
Um nun zu beschreiben, was genau mit „Management“ im Umfeld von
Geschäftsprozessen gemeint ist, muss man zunächst in der Geschichte
etwas zurückgehen. In den 90er Jahren war ein häufig benutzter Begriff
im Zusammenhang mit Geschäftsprozessen „Business Process Reengineering“ [JMPW93]. Damit ist die Tätigkeit der Neugestaltung der Prozesse in einem Unternehmen gemeint, basiert auf intensiven Untersuchungen und Analysen. Insgesamt beschränkte man sich darauf, die Prozesse
zu analysieren und zu dokumentieren (also zu modellieren). Die modellierten Ist-Prozesse können dann immer wieder als Grundlage für die
Optimierung der Prozesse benutzt werden. Diese Prozesse wurden noch
nicht direkt ausgeführt sondern waren maximal Vorlagen für die manuelle Softwareentwicklung ähnlich wie es traditionell meist im UML-Umfeld
gemacht wird. Ein bekanntes und bedeutendes Beispiel aus dieser Zeit
sind die „Ereignisgesteuerten Prozessketten“ (EPK) [STA05] aus dem
ARIS-Konzept3 [SS06] von August-Wilhelm Scheer. Nach wie vor ist diese Modellierungstechnik weit verbreitet und hat auch aktuelle Standards
wie BPMN4 stark beeinflusst. Zu dieser Zeit stand das Kürzel „BPM“
noch meist für „Business Process Modeling“.
Mit dem Aufkommen service-orientierter Architekturen (SOA, siehe Abschnitt 2.2) wurden die Prozesse zunehmend als „Orchestrierung“ technischer Services gesehen. Das bedeutet, dass nun die Prozesse direkt
ausgeführt werden sollten und zwar durch eine so genannte „Process
Engine“, oft auch „Process Server“ oder „Execution Engine“ genannt.
Durch das Hinzukommen der direkten Ausführung ergaben sich auch direkt weitere Vorteile, wie z. B. die Möglichkeit des „Monitoring“, also der
Beobachtung der Prozesse während ihrer Ausführung. Die Beobachtungsergebnisse können nun wieder direkt als Grundlage für die Optimierung
der Prozesse benutzt werden. Insgesamt ergibt sich so ein Zyklus bestehend aus Modellierung, Implementierung5 , Ausführung, Monitoring,
Optimierung, wieder Modellierung usw. Dies ist der so genannte „Business Process Management Life Cycle“, also ein Kreislauf, dargestellt in
Abbildung 2.1. BPM steht nun also nun für den umfassenderen Begriff
„Business Process Management“, also Geschäftsprozessmanagement, was
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ARIS: „Architektur integrierter Informationssysteme“
BPMN: Business Process Model and Notation
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Unter „Implementierung“ fallen hier alle Schritte, die evtl. noch notwendig sind, um den modellierten Prozess ausführbar zu machen. Oft müssen noch technische Details hinzugefügt werden,
um diesen Zustand zu erreichen. Im Optimalfall beschränkt sich dieser Aufwand auf das Deployment auf die Engine.
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