Download Volltextdokument

Transcript
„Es geht ja immer um Problemsituationen, wenn es etwas Gutes ist, dann
interessiert es ja immer keinen.“ (II-2, 33/310)
In der Bundeswehr scheint es eine Tendenz zu geben, nach der in Führungssituationen ein folgenreicher Fehler systemimmanent ist. Er drückt sich darin aus,
dass sich Führungskräfte als „gut und edel“ darstellen und dabei das als unangenehm
und fehlerhaft geltende persönliche Unvermögen in Führungssituationen vermeiden
oder verschleiern.
„(…) weil ich genau das sein wollte. Ich wollte ein harter Hund sein. Und
damit war keine normale Kommunikation möglich, weil ich immer wieder eins
draufsetzen musste.“ (II-6, 26/174).
„Wo man einen Befehl gegeben hat, der aber auch konsequenzenreich
war, der ein Richtungsschuss war. Wo viele gesagt haben, okay, das ist sein Stil.“
(II-5, 7/54).
Die Führungskräfte leben nach Geißler (1989, S. 82) gewissermaßen in einer
Illusion. Diese Illusion führt zu einer starren Struktur im Denken und Handeln, da die
unangenehmen Elemente, die Führung ausmachen, ausgegrenzt werden. Führung
geschieht nach Geißler (1989, S. 82) auf drei Ebenen:
1. Aufgabenebene – als Zielerreichung.
2. Gruppenebene - als Beziehungsgeflecht für Arbeitsfähigkeit.
3. Subjektebene – als Vertrauensarbeit in Zweierbeziehungen.
Im Militär ist der Konflikt zwischen Beziehungsarbeit und Zielerreichung
systematisch verankert. Zum einem führt die Art der Aufgabenstellung zu einer
strukturellen Distanz in der Führer-Geführten-Beziehung und zum anderen ist diese
Distanz ein inhärentes Phänomen, da die Führungskommunikation auf das Gefecht
ausgerichtet ist und in diesem Gefecht die Geschwindigkeit der Kommunikation ein
wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Die soziale Klebrigkeit eines starken Beziehungsgeflechts muss hier als Bremse und damit kontraproduktiv in der hierarchischen
Struktur wirken. Die hierarchische Struktur ist geprägt von Dienstgradunterschieden
(I-4), Führungsebenen (II-6), Darstellung von Hierarchie (II-2), Führungsdistanz (II2) und der Maxime, im Sinne der übergeordneten Führung zu handeln (II-1). „Die
ausschließlich zweckrationale Organisation verunmöglicht Beziehungen und zerstört
sie. (…) Bei allen Klagen über das Führungsklima in der Bundeswehr ist m.E. nicht
der Sachverhalt problematisch, daß es Probleme und Mängel im Führungsbereich
gibt – in welcher Institution gibt es die nicht, in welcher Familie gibt es keine
143