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NUTZTIERE
Von Profi zu Profi
FRESSER SIND GESUCHT, unter anderem weil die Grossviehmäster ihren
Remontenbedarf nicht mehr über die öffentlichen Märkte decken können.
Die Fresserproduktion ist wirtschaftlich interessant, wenn die betrieblichen
Voraussetzungen und das Management stimmen.
Yvan
Meuwly
Der Ablauf der Übergangsfrist der
neuen Tierschutzverordnung sowie
die Ausrichtung und Umsetzung der
Agrarpolitik 2014/17 stehen kurz
vor der Türe. Während sich die Grossviehmäster entschieden haben, die erforderlichen Anpassungen bei den Stallbauvorschriften umzusetzen oder die
Produktion aufzugeben, sind sich viele
mittlere und kleinere Milchviehhalter
noch unschlüssig, welche Veränderung
sie vornehmen sollen.
gauischen Auw. Ein mittlerer Milchviehbestand, bevorstehende Investitionen
und eingeschränkte Möglichkeiten, den
Tieren den nötigen Auslauf zu gewähren, zwangen Raphael und Bianca Brun,
nach Alternativen zur Milchproduktion
zu suchen. Ergänzend zur Munimast
entschied man sich für die Fresserproduktion. Der alte Milchviehstall wurde
zweckmässig und mit viel Eigenleistung
kostengünstig umgebaut.
AA-Qualität Heute werden im AbUmbau alter Kuhställe Die Fresseraufzucht bietet eine echte Alternative. Alte Milchviehställe können in vielen Fällen ohne grosse Investitionen
umgebaut und weiter genutzt werden,
so dass die klassischen Familienbetriebe
mit den Standbeinen Tierhaltung und
Veredelung des Futterbaus aufrechterhalten bleiben.
Betrieb Familie Brun Ein typisches Beispiel dafür ist die Betriebsausrichtung der jungen Familie Brun im aar-
Betriebsspiegel
Raphael und Bianca Brun, 5644 Auw
Nutzfläche: 28 ha, wovon 17 ha Acker
und 11 ha Grünland
Tränker: 40 Plätze
Muni: 90 Plätze
Mastkaninchen: 1680 Mastplätze
Dörrbetrieb: Verarbeitung von jährlich
150 bis 200 t Obst zu Dörrfrüchten
Arbeitskräfte: Raphael und Bianca Brun,
Saisonnier (20 %, im Herbst 100 %,
Mithilfe der Eltern von Raphael Brun
(ebenfalls im Herbst während dem
Dörrbetrieb)
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stand von gut zwei Monaten innerhalb
einer Woche 40 männliche Tränker, vorwiegend AA-Qualität, eingestallt. Dank
der positiven Entwicklung der Mastrassenbesamungen in den letzten Jahren
auf den Milchviehbetrieben ist die Verfügbarkeit genetisch guter Tränker eher
gewährleistet.
Erfolgsfaktoren Fresserproduktion
Die Fresserproduktion stellt hohe
Anforderungen an Stall und Management:
• Stall mit gutem Klima und Luftaustausch, aber ohne Zugluft
• Reinigung und eventuell Desinfektion
nach jedem Umtrieb
• Sauber eingestreuter Liegebereich
• Hohe Tränkerqualität
• Einstallprophylaxe in Absprache mit
dem Tierarzt
• Intensives Fütterungsregime mit
Tränkeautomat in der Anfangsphase
• Gewöhnung an eine hohe Festfutteraufnahme
• Bildung homogener Gruppen für die
Vermarktung
Boxen für tiefen Strohverbrauch
Drei Vermarktungskanäle Die
Nach betriebsspezifischer Einstallprophylaxe und Rindergrippeimpfung werden die Tränker während rund acht Wochen gemäss dem Fütterungsplan des
UFA-Beratungsdienstes abgetränkt und
an die Aufzuchtration gewöhnt. Nach
dieser Periode erfolgt das Zügeln in den
Maststall, der ebenfalls umgebaut wurde. Hier werden die Tiere nach den
Richtlinien QM (Qualitätsmanagement
Schweizer Fleisch) und BTS (besonders
tierfreundliche Stallhaltungssysteme) in
einem Boxenlaufstall gehalten. Das Boxensystem wurde gewählt, um den
Strohverbrauch zu beschränken. Sobald
die Tiere sich an die neue Futterration
und Stallumgebung gewöhnt haben und
die Tageszunahmen entsprechend angestiegen sind, selektioniert Raphael Brun
die Tiere.
Aufzucht- und Mastleistungen des Betriebs Brun lassen sich sehen. Nur so ist
es möglich, jährlich rund 220 Tiere zu
verkaufen. Die Hälfte von Bruns
Schlachttieren gelangt über die Anicom
AG in das Markenfleischprogramm SQB
(Swiss Quality Beef). Je nach Bedarf
kommt der regionale Metzger ebenfalls
in den Genuss, qualitativ schöne
Schlachttiere der Familie Brun verarbeiten und verkaufen zu können. Die restlichen rund 110 Tiere werden als Fresser, im Gewichtsbereich von 180 bis 190
kg, an regionale Berufskollegen verkauft, die von den Tieren des Betriebs
Brun begeistert sind.
Nachfrage ist gestiegen Noch
vor wenigen Jahren haben sich die
Grossviehmäster den Bedarf an Remon5 2013 · UFA-REVUE