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Menschen in Trauer auf Basis einer differentiellen, systematischen Diagnostik
und einer Problemanalyse des depressiven Syndroms, um eine angemessene
psychotherapeutische Behandlung einzuleiten (ebd.).
Da Trauer sich neben diesen individuellen Dimensionen auch in sozialen
Kontexten vollzieht, ist für die Entstehung dieser komplizierten und folgenreichen
Trauerreaktionen das Fehlen von Riten von elementarer Bedeutung und
potenziert gleichzeitig das Risiko pathologischer Trauerreaktionen. Aber so wie
das Sterben ist auch das Trauern in modernen Gesellschaften kaum durch
eingelebte Verhaltensweisen, Bräuche, Sitten oder gar Riten gesichert (Schmied
1988).
- zur Bedeutung von Ritualen
Das fehlende Todesbild, der Mythos vom ‘natürlichen Tod‘ prägt in
entscheidender Weise den Sterbeprozess. Angemessene Verhaltensregeln sind
damit nicht mehr verbindlich, denn neue Riten, die dem gegenwärtigen
Empfinden und den neuen Verhaltensstandards entsprechen und die Bewältigung
wiederkehrender kritischer Lebenssituationen erleichtern können, fehlen (Elias
1987). Damit sind wichtige Hilfsmittel der Bewältigung verloren gegangen. Die
Menschen werden so unfähig, um ihre Toten zu trauern (Schnoor & Sendzik
1986).
Riten sind in diesem thanatopsychologischen Exkurs von Interesse, da hier der
Angehörige, der den Kranken und später Sterbenden als Hauptakteur über lange
Zeit begleitet und unterstützt hat - und dabei allzuoft eigene Belastungen und
Bedürfnisse denen des Hauptakteurs unterordnete - , nun seinerseits zum Akteur
und zur zentralen Figur wird. Nicht nur der Sterbende vollzieht demnach einen
Statuswechsel, sondern auch der Trauernde.
Das Ritual der „rites de passage“ kommt zur Anwendung, wenn der
Statusübergang eines Individuums innerhalb einer sozialen Gruppe vollzogen
wird. Der Statusübergang, der psychisch gesehen zumeist einen langwierigen
Prozess der Trennung von dem bisherigen und die Adaptation an den neuen
Status bedeutet, wird im Ritual vorweggenommen und symbolisch dargestellt,
wobei derjenige zum Symbolträger wird, der den Statuswechsel vollzieht (Spiegel
1989). Hier wird bereits ein zentraler Aspekt für die psychoonkologische
Behandlung Trauernder angeschnitten. Trauer benötigt Zeit und eine
Gesellschaft, die den trauernden Kindern und Erwachsenen diese zugesteht.
Das Trauerritual ersetzt zwar nicht den Trauerprozess, stellt ihn aber als etwas
dar, das der Tote, der Hinterbliebene und seine soziale Umwelt gemeinsam
bewältigen müssen. Dieser sich u.U. lange hinziehende Prozess der individuellen
und sozialen Neuorientierung kontrolliert extreme Emotionen und wirkt im
Ergebnis angstreduzierend, sozial integrativ und sinnstiftend (Aries 1989, Spiegel
1989).
Die Realität der Moderne sieht anders aus. Die Trauer wird stattdessen
deritualisiert, privatisiert und individualisiert. Auch sie hat keinen Platz und
Trauernde empfangen keinen Schutz mehr. Der alleinige Ort der Trauer ist der
Friedhof (Schmied 1988). Aber die Gestaltung der Friedhöfe hat sich
gleichermaßen verändert. Seit dem 17. Jahrhundert wurden sie nicht mehr in der
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