Download PDF-Vollversion

Transcript
Aus der übersinnlichen Dimension stammt unsere Sehnsucht nach Geborgenheit und diese Sehnsucht
verbindet das Raum-Zeitliche mit der Geborgenheit im Absoluten.
„Das Absolute kann sich nur im Konkreten, im Räumlichen und Zeitlichen manifestieren.“ (Khinast S.
101) Der konkrete Sinn im Leben ist die Brücke zwischen dieser Welt und dem Absoluten.
Frankl fragt: „Woher sollte das Konkrete Sinn haben, wenn nicht aufgrund der Sinngebung durch eine
die menschliche Welt umgreifende Über-Welt“. „Menschlicher Sinn lässt sich letztlich nur vom
‚übermenschlichen Sinn‘ her erfassen, von einem Über-Sinn“. (Frankl: zit. nach: Khinast S. 101)
Sinn liegt als Wert immer schon im Leben vor und der Mensch hat in der Tiefe seines Seins ihn wahrzunehmen, mit dem Herzen zu erspüren, ihn zu finden. Der Sinn ist die Möglichkeit, die Brücke zu
schlagen zwischen dem Sein und dem Sein-Sollenden. „Sinn korrespondiert mit allen Sinnen. Er lässt
sich nur erfassen in der Tiefe der Intuition, des existentiellen Fühlens, nicht auf der Ebene des Denkens, keinesfalls über Lust und Unlust, angenehm oder unangenehm.“ (Khinast S. 85)
Die Welt des Menschen ist eine er-fahrbare Welt. Erfahrung bedeutet fahren, gehen, einen Weg, einen
Ausweg suchen, Antwort auf ein Problem finden. Menschliches Leben und „experimentierendes“ –
ein in der Erfahrung sich bewährendes Leben – sind gleichbedeutend.
„Das Wort Sinn kommt vom ahd. “sinnan“, d.h. unterwegs sein, eine Reise machen. Mensch-Sein ist
Unterwegs-Sein auf etwas hin, das nicht wieder der Mensch selbst ist. Sinn lässt sich nur im Unterwegs sein erfüllen.“ ( Khinast S. 83)
Sinn hat eine Sache nur dann, wenn sie einem etwas bedeutet, wenn sie einem wertvoll ist, wenn man
eine Beziehung zu ihr hat.
Der schwedische UNO-Generalsekretär Dag Hammerkjöld kam bei einem unerklärlichen Flugzeugabsturz im Kongo ums Leben, beim Versuch, Frieden zu vermitteln. … er erkannte schon damals die
„Not-wendigkeit“ einer neuen Weltordnung. Er hatte die Vision der „einen Welt“, diesen größten
Traum der Menschheit, in der das Recht mehr war als die Macht der Mächtigen. Mit Erstaunen kann
man den Tagebuchnotizen „Zeichen am Weg“ den inneren Weg des Menschen D.H. entnehmen. Sie
zeigen ihn in seiner Zerrissenheit, seinen tiefen Selbstzweifeln, Einsamkeit, dem Unvermögen, das
Leben fraglos zu bejahen, Sinnlosigkeit, mangelnder Lebensgeborgenheit.
„Sinnlos, dass ich fordere, dass mein Leben einen Sinn habe…
Müdigkeit lockt mit dem Tod, zur Flucht aus dem Leben.
Das nicht! Der Tod mag abschließende Gabe sein,
nicht ein Betrug…….“
Schritt für Schritt, in Auseinandersetzung mit der beruflichen Karriere erkennt er, dass Lebenssinn
nur zu finden ist, wenn er Aufgaben nicht nur zur Selbstbestätigung braucht, sondern diese ihn zur
Hingabe fordern, auch zum Opfer bereit, Vergeblichkeit auf sich zu nehmen.
„Geleitet durch das Labyrinth vom Ariadnefaden der Antwort (einmal sagte ich „Ja“), lerne ich….“
Sinn sehen heißt, eine Ganzheit erfassen, uns in Zusammenhängen verstehen. Sinn ist Einbindung der
Person in ein größeres Ganzes, in ein soziales Gefüge (Mitwelt), in der Natur (Umwelt) oder auch in
eine Idee.
„Um Sinn zu erfüllen, genügt sich der Mensch nicht allein; es braucht mehr. Nur im Dienst einer Aufgabe oder in der Liebe zu einer Person, erfüllt sich der Mensch selbst. Je mehr er aufgeht in seiner
Aufgabe, je mehr er einem Partner hingegeben ist, desto mehr wird er er selbst.“
(Funke: Khinast S. 84)
„Der Mensch will offen sein und aus dieser Offenheit in die Welt hineingehen, und er spürt, dass er
nicht ganz ist, wenn er sich nicht auf die Welt hin transzendiert. Diese Grundfähigkeit des Menschen,
sich auf die Welt hin zu transzendieren, nennt Frankl Selbsttranszendenz. (Khinast S. 97)
107