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Das Leben gibt dem Sein des Menschen Kraft, Energie, Vitalität, verleiht ihm sein Vermögen und
Können.
Ja zum Leben sagen heißt, sich auf das Leben einlassen, auf das große, weite tiefe Leben mit all seinen Möglichkeiten.- Gefühle zu haben, Nähe, Wärme zu erleben, Werte zu erspüren, Beziehungen
emotional zu empfinden. Wer das Leben bejaht, kann sich von Dingen berühren, von der Welt ansprechen lassen – als Quelle seiner Lebendigkeit. Zugleich bringt die Lebendigkeit aber auch das Empfinden von Leid, Schmerz, Schwere. Diese Einwilligung zum Leben, die Ja - Gestimmtheit ist die zweite
Geburt des Menschen.
Leben ist Bereicherung und Belastung, Freude und Leid zugleich. Freude zeigt die Verwirklichung
eines Wertes an. Trauer bezieht sich auf einen verlorenen Wert; sie ist gefühlvolles Mitschwingen mit
dem Verlorenen und daher ein Gefühl innerer Nähe zu diesem.
Wenn es nicht gut ist zu leben, kann das Erlebte und das Erleben nicht wertvoll erscheinen, dann neigt
der Mensch zum Rückzug und er leidet unter der Leere und Kälte des nackten Daseins. Eine fehlende
Zustimmung zum eigenen Leben, ein beginnendes Nein zum Leben kennzeichnet die depressive Erlebniswelt.
2.2.1 Das „Mögen“ ist die Verhaltensbedingung, um einen Wert spüren zu können
Mögen kommt vom althochdeutschen Wort „mugen“, das Können aus sich heraus bedeutete. Mögen
kommt aus dem tiefsten Inneren, ist tiefstes Erleben. Wer etwas mag, ist als ganzer Mensch dabei,
denn Mögen ist ein vitaler Prozess, der mit allen Sinnen spürbar ist, eine der dichtesten Selbstwahrnehmung - der Mensch ist dabei ganz bei sich.
Im Mögen klingen Welt und Ich, der Wert der Welt und der eigene Wert zusammen – es wird einem
warm ums Herz. Wollen ist gelebtes Mögen.
Daher ist der von Pädagogen häufig verwandte Satz: Du musst nur wollen unsinnig. Man kann nicht
„mögen wollen“, nicht „wollen wollen“ und nicht „glauben wollen“. Man kann nur mögen, dies ist ein
emotionaler Akt tiefen Berührtseins. Wollen ohne mögen ist Zwang und Müssen.
Wenn wir bei den Kindern dem Mögen keinen Raum geben, erziehen wir sie zum Funktionieren.
Dass man etwas wirklich mag, drückt sich in der Dauer aus – Mögen- auf einen Wert bezogen ist etwas Langfristiges, im Gegensatz zur Laune.
Im Verweilen entsteht Nähe. Nähert man sich etwas Wertvollem, zeichnet man dieses in seinem Inneren mit seinen Gefühlen nach. Die Nähe verbindet mit einem anderen oder mit etwas anderem, bewirkt
Verbindlichkeit, ein Mitfühlen, Freundschaft, Liebe.
Wenn man etwas wirklich mag, kommt man meist darauf zurück, wenn es im Augenblick nicht realisierbar ist. Spontaneität ist die Erinnerung an das, was man grundsätzlich mag.
Beispiel:
Meine erste Begegnung mit der Logotherapie hatte ich vor 25 Jahren bei einer Tagung in der Akademie Tutzing und war sehr beeindruckt. Als ich im Jahr 2000 von einer Freundin erfuhr, dass gerade
eine Ausbildung im Berliner Institut beginnt, meldete ich mich spontan ohne Überlegungen zu vorhandener Zeit und Möglichkeit der Finanzierung dort an.
Lebensbejahung drückt sich in der Bereitschaft aus, in sich zu gehen, bei sich zu sein, zu sich zu
kommen, das Leben in sich zu spüren, dem nahe zu kommen, was einen bewegt - und aus sich heraus
zu gehen, von alten Wegen sich zu verabschieden und neue Wege zu suchen.
Mit jedem neuen Schritt im Leben muss der Mensch diese Einwilligung erneut geben.
Die Entwicklung des Lebens, das Durchlaufen der verschiedenen Lebensphasen, zwingt einem Menschen immer wieder Entscheidungen auf, in die er einwilligen muss, um zur nächsten Stufe weiterzugehen.
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