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Schwierig war es mit dem KV, der diese Bemühungen stets durchkreuzte, er fiel zurück in die Sucht. Nach 4 Jahren Ringen um die Erhaltung der Familie kam es zur Trennung. Doch fällt es E. schwer, sich gegenüber dem KV ausreichend abzugrenzen Ihr Bedürfnis nach Anlehnung, Liebe, Versorgt sein ist nach wie vor groß und ungestillt. Währenddessen hat die KM ihre mittlere Reife in der Abendschule nachgeholt. Im Gegensatz zu früher erzielt sie jetzt auf dem Weg zum Abitur ausgezeichnete Leistungen. Ihr Leben ist sehr angestrengt mit der Erziehung ihres Kindes, der Durchsetzung von Geldern bei den Behörden und der eigenen Schulausbildung. Sie leidet darunter, so wenig äußerlich, wie innerlich versorgt zu sein. Dennoch wurde hier aus der Sehnsucht ein Weg zur tieferen Verwurzelung im Leben mit jedem Schritt der notwendig war mit dem Kind und E. meistert dies bewundernswert. Man kann sich immer neu fragen: Wo habe ich um Geborgenheit gerungen? Wo habe ich darum gekämpft, dass ich dazu gehöre, und was habe ich in diesem Kampf von mir selber aufgeben müssen. Da, wo ich mich angepasst, geschwiegen, funktioniert, verzichtet habe, um anerkannt oder gemocht zu werden, habe ich etwas von meinem Selbst-Sein verloren. „Das, was man in diesem Kampf von sich selber aufgegeben hat, muss man wieder gewinnen, das kann man wiedergewinnen und dazu brauchen wir einander. Im Wieder - gewinnen dessen, was wir verloren haben, entsteht Geborgenheit“ – im Miteinander.“ „Geborgenheit kann nur gelingen in der ehrlichen emotionalen Beziehung. Nicht der Anspruch an perfektes Handeln, das wir uns oder unseren Kindern abverlangen, gibt uns Geborgenheit“. (Funke 2003, Sehnsucht nach Geborgenheit S. 8) Die Sehnsucht ändert sich je nach der politischen und gesellschaftlichen Situation, dem jeweiligen Zeitgeist und nimmt eine andere Gestalt und Zielrichtung an. Vielerorts sehnen sich die Menschen nach Frieden, Sicherheit und Schutz. In einer Zeit sich auflösender Identifikation spüren die Menschen ein tieferes Verlangen nach Heimat und Geborgenheit. „Menschen, die im Wohlstand leben, können meist ohne große Schwierigkeiten ihre Wohnungen warm halten. Aber im reichen Westen geht zugleich das Wort von „Eiszeit“ der Gefühle“ um.“ (Dalai Lama, Mitgefühl und Weisheit S. 126) 5.3 Krise, Ungeborgenheit über einen Zeitraum Was Geborgenheit ist, merkt man, wenn sie verloren geht - man fühlt sich von Gott und der Welt verlassen. Mit „crisis“ bezeichnete die Medizin bereits vor hunderten von Jahren den Punkt, an dem sich entscheidet, ob eine Krankheit zum Tode führt - oder zur Gesundung. Stirb oder werde. Krankheit, Unfall, Erschöpfung haben Krisencharakter, Geborgenheit geht verloren – der Leib trägt nicht mehr. Gerät die Sicherheit in Anfechtung, wächst das Bedürfnis nach Geborgenheit auf einer anderen Ebene. So werden auch „psychosoziale Krisen“ empfunden, die Sonneck (1997:31) definiert als Verlust des seelischen Gleichgewichts. Diesen verspürt ein Mensch, wenn er mit Ereignissen und Lebensumständen konfrontiert wird, die er im Augenblick nicht bewältigen kann, weil sie von der Art und dem Ausmaß her seine durch frühere Erfahrungen erworbenen Fähigkeiten und erprobten Hilfsmittel für die Bewältigung überfordern. 62