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6. *Drücken Freigabe*: Was ist ein Handy?
Das Handy ist ein personalisiertes Kommunikationsmedium. Somit verstärkt es
Tendenzen der Entgrenzung von privat und öffentlich, Berufs- und Privatleben.
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Es ist ein Artefakt, das konzipiert ist, um es nach individuellen Bedürfnissen
und Vorlieben zu gestalten. Von maßgeschneiderten technischen Einstellungen (z.B. Anrufe bei Besetztzeichen auf Mailbox umleiten), über persönliche
Organisationswerkzeuge (wie Kalender, Erinnerungsfunktion u.a.), veränderbare Designs, personalisierbare Dienstleistungen (mein persönlicher Nachrichtendienst, e-parking/ticketing u.v.m), Speicher persönlicher Erinnerungen (Fotos, SMS) bis hin zum Unterhaltungsmedium (Musik, Filme) ermöglicht es nahezu grenzenlose Gebrauchsweisen. Mit Erweiterungen durch HandyApplikationen eröffnet sich außerdem ein nahezu unüberschaubares Feld an
Möglichkeiten des individuellen Monitorings, sei es medizinischer (z.B. das
Herz-Handy®), oder pädagogischer Natur (m-learning).
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Das Handy als Körperextension, Organ-Verlängerung.172 Es ist ein äußerst
körpernahes, elektronisches Medium. So gut wie immer ist es bei uns, physisch nahe, viele tragen es direkt am Körper. Mit dem Handy markieren wir
Terrain, wo es liegt, sind auch wir nicht weit. Insbesondere die Miniaturisierung
der Geräte birgt großes Potenzial zur Inkorporation, dies findet sich in sprachlichen Ausdrücken für das (Mobil-)Telefon wieder, wenn es ‘sprechender Knochen’ oder ‘elektronische Nabelschnur’ genannt wird.
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Das Handy als Sinneserweiterung und Gedächtnis-Auslagerung: Das Mobiltelefon fungiert als externalisiertes Gedächtnis, ein ‘outgesourcter’ Gedächtnisspeicher für Telefonnummern, Termine, Fotos. Diese Formulierung ist angelehnt an Walter Benjamins (1977/1931) Text zur Fotografie als technische Sinneserweiterung als externalisiertes Gedächtnis. In bestimmtem Ausmaß wird
auch der Orientierungssinn ausgelagert. Dank GPS muss man weder die Kulturtechnik des Kartenlesens beherrschen, noch Ortskenntnisse oder Orientie-
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In den Grundlinien einer Philosophie der Technik formulierte Ernst Kapp 1877 erstmals die Vorstellung von Technik, Werkzeugen und Maschinen als Organ-Verlängerung, Organprojektion.
(Kapp 1877, S. 29–39). Im Unbehagen der Kultur „vervollkommnet der Mensch seine Organe – die
motorischen wie die sensorischen“, um als „Prothesengott“ [...] „recht großartig [da zustehen],
wenn er alle seine Hilfsorgane anlegt“ (Freud 1990, S. 87). Und in der Seele im technischen Zeitalter findet sich die Technik als Organersatz, -entlastung und -verlängerung wieder, die das Mängelwesen Mensch als anthropologische Grundausstattung nötig hat (vgl. Gehlen 2004/1957). Trotz
offensichtlicher Ähnlichkeiten, um nicht von Plagiaten zu sprechen, zitiert niemand den weniger
bekannten Kapp.