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9. Arbeit und Mobiltelefon 268 weil man kann ja immer noch anrufen und sagen: ‘Ich komme zehn Minuten später’. Das hat sich halt durchaus etabliert, man kommt spät, weil es eh wurscht ist, weil man es eh sagen kann, was aber meiner Meinung nach genauso unhöflich ist wie früher, als man ganz einfach ohne das zu sagen zu spät gekommen ist, weil der andere wartet ja trotzdem“ (Int. Nr. 14-II, S. 169). Das Handy transformiert eine weitere klassische Tugend: Höflichkeit. Findet es Frau K. bereits unhöflich das Handy nicht immer abzuheben, finden es Frau M. nicht unhöflich, wenn bei einem persönlichen Treffen, mehrmals länger telefoniert wird. Bei der Auffassung von dem Umgang mit Höflichkeit gibt es starke altersspezifische Differenzen, da ausschließlich Befragte von mindestens 35 Jahren dieses Thema eigenständig ansprachen. Ständige Erreichbarkeit einerseits sowie die informationstechnisch gesteuerte Kommunikationsform andererseits, fördern ‘unhöfliches Benehmen’. „Man wird auch unhöflicher, man kommuniziert halt weniger live, wenn ich ein E-Mail kriege und die sitzt ein Zimmer weiter, statt dass ich aufstehe und hingehe und ihr das sage, schreib’ ich ein kurzes E-Mail: ‘Bitte bearbeiten’. Ohne grüß Gott und auf Wiedersehen. [...] wenn es intern schnell geht, dann schreib’ ich eben nicht ‘Sehr geehrte Frau’, sondern ‘Bitte tun! Lg J.’ Aus, eigentlich unhöflich“. (Int. Nr. 8I, S. 102). „Ja – es ist ja immer so, wenn’s dick kommt, dann kommt es ganz dick. (dann lauter) Wenn man schon im Stress ist, dann rufen immer Leute an, die auch irgendwas wollen und dann mmh – muss ich manchmal recht unfreundlich sein und sag’, tut mir leid, ich hab jetzt wirklich keine Zeit – und würg’ das Gespräch innerhalb von Sekunden wieder ab. Oder frag nur, ‘Ist das Gespräch wichtig? – nein, dann lass und später reden tschüss’ (Int. Nr. 2-I, S. 24). Der Wille diese stressbedingten, selbst als unhöflich erlebten Umgangsformen zu vermeiden, unterstreicht nochmals die Bedeutung des Anrufmanagements, wie in Kapitel 9.2.1 beschrieben. Ebenso betont es die Relevanz des Mobiltelefons als Regelungsinstrument für das individuelle Stimmungsmanagement, wie ich es im nächsten Kapitel vorstelle. 9.2.5 Mein‘s: Strategien der Personalisierung des Geräts und das Handy als Fetisch Wie mehrfach beschrieben, übernimmt das Mobiltelefon wichtige Funktionen in der Alltagsorganisation. Als persönliches Kommunikationsmedium gibt es vielfa-