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9. Arbeit und Mobiltelefon 237 trotzdem zu einem Ergebnis kommt. Das Thema sind immer Abläufe, wo ich sage am Ende des Gesprächs hat jeder die Information, die er braucht und so gesehen ist das Handy schon eine tolle Erfindung“ (Int. Nr. 4-III, S. 47). Der Umgang mit ständiger Erreichbarkeit wird besser verständlich mit Rückgriff auf das Repertoire technisch formatierter Kommunikationsweisen. Als Nächstes stelle ich allgemeine Umgangsformen mit Anruferkennung (und ggf. -Blockierung) vor und beschreibe spezifische Nutzungsszenarios für lautlose Erreichbarkeit via SMS, E-Mail und Vibracall. Generell besteht ein situativer Vorteil des Anrufenden gegenüber dem Angerufenen, indem der Zeitpunkt individuell festlegt, und man sich gedanklich auf den Gesprächsinhalt vorbereiten kann. Zugleich ist es der Punkt, wo die Erreichbarkeit des Einen, in das ausgeliefert Sein des Anderen umschlagen kann. Abhilfe verschafft die Anruferkennung, die – allerdings nur von den älteren Befragten222 – als spezieller Bonus des Mobiltelefons wahrgenommen wird. Herr J., 42: Also ich heb’ praktisch nie ab, ohne hinschauen [...] wenn ich meinen ganzen Namen sage, dann sagen die Leute: ‘Hey warum so förmlich?’ und deshalb schau’ ich immer hin, weil es doch ein Unterschied ist, für wen man abhebt und ich die Leute meistens schon anspreche, aktiv...ist halt meine Art, vielleicht schon wieder Zeit sparen. (Int. Nr. 4-III, S. 49) Über die Anruferkennung kann man Anrede-Zeit einsparen, oder sich persönlich Zeit nehmen, wie Frau P.: Wenn ich grad keine Lust, oder keine Zeit hab’ oder gerade im Geschäft bin und Kundschaft hab’, dann schalte ich einfach auf ‘nicht annehmen’ und dann wird es abgewürgt, oder wenn ich die Nummer nicht kenne, dann gehe ich prinzipiell nicht ran. (Int. Nr. 13-I, S. 151) Das Handy erweist sich diesbezüglich als Netzwerkmedium, die Identifikation mit einer Gruppe entscheidet über Partizipation. Also aus unserem Bekanntenkreis irgendwie macht das keiner [Rufnummernunterdrückung, B.B.], unbekannte Nummern mag keiner – und durch diese Anrufererkennung kriegt das Ganze auch Priorität. Du sagst dann 222 Als ‘älter’ gelten hier Personen, die in ihrer Jugend noch nicht mit einem Handy sozialisiert wurden. Zum Zeitpunkt der Interview-Erhebung waren diese Menschen älter als 35 Jahre (vgl. Kapitel 3.2.1).