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248 9. Arbeit und Mobiltelefon um ein Gleichgewicht zwischen persönlicher und nicht-technischer Kommunikation herzustellen (vgl. Becker 2002, S. 134ff.). Aufschlussreich an dieser Stelle finde ich eine theoretische Rückbindung an Fragen des Selbstmanagements, das von der Vorstellung einer effizienzorientierten Durchgestaltung des eigenen Lebens ausgeht. So dient das Mobiltelefon als Instrument zur Effizienzsteigerung, man kann Treffen kurzfristiger gestalten, Rückfragen rasch organisieren, zugleich produziert es jede Menge ineffiziente Kommunikation im Stil von ‘Ich komme um 10 Minuten später’, ‘Wo bist du?’ ‘Was soll ich einkaufen?’ Was für die einen lästiger Kommunikationsmüll ist, drückt für andere soziale Verbundenheit und Aufmerksamkeit aus. Die essenzielle Frage ist dabei: Worin besteht effizientes telefonieren? Wer definiert die Standards, gibt Maßstäbe vor? Im beruflichen Kontext heißt effizientes Telefonieren, ergebnisorientiertes Telefonieren. In verkaufs- und dienstleistungsorientieren Berufen gehört sie zum Jobprofil und wird in Telefon-Trainings226 gezielt trainiert. Und einfache TelefonChecklisten sind ein wichtiger Inhalt jedes Selbstmanagement-Ratgebers. Geht es beim Telefonieren überhaupt um Effizienz oder Effektivität? Im Gegensatz zur Sozialwissenschaft gibt es im betriebswirtschaftlichen Begriffsapparat eine genaue Unterscheidung zwischen diesen Begriffen, die ein differenzierendes Verstehen erlaubt. So definiert Effizienz ökonomische Wirksamkeit, ob sich Projekte ‘rechnen’, ausgedrückt in der Maxime: ‘Do the the things right!’. Effektivität zielt auf die operative Umsetzbarkeit ab, legt den Fokus auf die Ebene des Handelns, fragt ob Maßnahmen ‘greifen’, verkürzt auf die Maxime: ‘Do the right Thing!’. Es verdeutlicht die Bedeutsamkeit eines individuell wie Gruppen übergreifend, akkordierten Anrufmanagements, da die Telefongewohnheiten des Einen, den Anderen stören. „Weil man eben immer verfügbar ist, weil jeder glaubt, jetzt fällt ihm was ein und das muss er unbedingt dem sagen und er tippt schon und es läutet, wurscht da wird nicht auf die Uhr geschaut, das ist einfach. Die Leute sind verfügbar, und wenn du nicht abhebst, hast du es auf der Mailbox, dann kannst du dir das wieder anhören, kannst wieder zurückrufen“ (Int. Nr. 10-IV, S. 118). 226 Bei Telefon-Trainings lernt man das eigene Gesprächsverhalten zu analysieren und mittels der „10 goldenen Regeln des Telefonierens“ zielgerichtet zu kommunizieren (vgl. WIFI Wien, 2011).