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durch das Minenfeld geschritten ist, hat den Beweis erbracht, dass es möglich ist. Und er
kann von seinen Soldaten erwarten, dass sie seinen Fußspuren folgen. Der Arzt, der sein
Medikament im Selbstversuch erprobt hat, hat den Beweis erbracht, dass es heilsam
wirkt. Und er kann von den Patienten erwarten, dass nun auch sie das Mittel nehmen.
Der Seefahrer, der hinter dem Ozean neues Land entdeckt und mit greifbaren Beweisen
zurückkehrt, kann erwarten, dass man seinen Karten und Wegweisungen glaubt. Und
Jesus sollte nicht von uns das Gleiche erwarten dürfen?
Ja. Da gilt nun keine Ausrede mehr. Denn der Weg ist gebahnt, und der Beweis erbracht.
Auf Gott hin leben, sich ihm ganz überlassen und seiner Führung trauen – das geht. Das
ist nicht Wahnsinn. Es ist Weisheit. Es führt nicht nur in den Tod. Es führt auch durch
den Tod hindurch. Die Brücke, über die Jesus gegangen ist, trägt. Und Jesus, der längst
auf der anderen Seite angekommen ist, winkt uns, ihm zu folgen. Sehen wir ihn nicht?
Doch wir sehen ihn. Können wir nicht folgen? Doch wir können. Aber wollen wir vielleicht nicht? Das ist die einzige Frage, die noch bleibt. Und sie ist es, die wir beantworten
müssen. Sie ist es, die über unser Leben entscheidet. Und darum sollten wir nicht länger
zögern. Denn Jesu Hand ist ausgestreckt. Und an seinem Tisch ist ein Platz für uns bereitet. Ergreifen wir also die Hand des Gekreuzigten. Gehen wir mit ihm seinen Weg –
durch das Kreuz ins Leben. Treten wir herzu, um sein Geschick teilend auch seine Freude
zu teilen. Und danken wir ihm von Herzen, dass wir das dürfen. Denn er hat uns einen
Weg gewiesen, den wir allein niemals gefunden hätten…
75. Das Kreuz Christi
In fast jeder Kirche findet sich ein Kruzifix, ein Bild des Gekreuzigten: Blutüberströmt,
geschunden, gefoltert, ermordet. Da ist einer unter die Räder gekommen – das sieht man.
Aber was für Räder waren das eigentlich? Und was bedeutet es, dass Gottes Sohn dieses
Ende fand? Eins unserer Kirchenlieder stellt die Frage so: „Herzliebster Jesu, was hast du
verbrochen, dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?“ War Christi Kreuzigung
vielleicht eine Art Justizirrtum, Resultat einer unglücklichen Verkettung von Umständen?
War es ein tragisches Missverständnis, dass man diesen friedfertigen Menschen für gefährlich hielt und aus dem Weg räumte? Dann wäre Christus so eine Art Unfallopfer gewesen...
Aber nein, ein Unfallopfer, das war er am allerwenigsten. Es war kein Zufall, dass dieser
Mann unter die Räder der Justiz geriet. Dass er an Karfreitag dieses Ende fand, ist vielmehr die logische, die zwingende, die unausweichliche Konsequenz des Lebens, das er
bis zu diesem Tag geführt hat. Denn dieses Leben war ein Generalangriff auf alles, was
seinen Zeitgenossen heilig war. Christus war ja als Gesandter Gottes unter die Menschen
getreten. Er redete und handelte im Namen Gottes. Er sprach mit der Vollmacht des
Messias. Aber er tat nicht, was man von Gottes Gesandtem erwartete. Er klopfte den
Frommen und Wohlanständigen nicht anerkennend auf die Schultern, sondern nannte
sie Heuchler. Er sagt ihnen auf den Kopf zu, dass sie mit ihrer ganzen Moralität, Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit nur versuchen, sich und Gott etwas vorzumachen. Dass sie
nicht Freunde Gottes sind, sondern Feinde Gottes. Dass sie sich in ihrer ganzen Religiosität nicht wirklich Gott ausliefern und öffnen, sondern sich durch vorbildliche Lebensweise gegen Gott abzusichern versuchen. Leuten wie uns sagt er das. Und so wird sein
ganzes Leben zu einem Generalangriff auf den Common Sense seiner Zeit.
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