Download PDF-Skript
Transcript
-109- Neben den genannten Projektregelungen bedarf es oft weiterer wichtiger Klauseln im Vertrag, die je nach Projekt-Umfang von zehn bis zu weit über 100 Seiten reichen können. 5. Gebrauchte Software Internet World Business 21-2008, Seite 10 Die Rechtsprechung zur Weitergabe von Lizenzen ist nicht einheitlich Die Ausgaben für Softwarelizenzen machen bei vielen Umternehmen einen beträchtlichen Teil ihrer IT-Investitionen aus. Andererseits stehen infolge von Konsolidierungen oder effektiverem Lizenzmanagement nicht selten ungenutzte Lizenzen zur Verfügung, deren Weiterverkauf sowohl für den Verkäufer als auch für den Käufer wirtschaftlich attraktiv sein kann. Im Unterschied zu körperlichen Gegenständen des Sachenrechts gilt es bei Software, wichtige rechtliche Aspekte zu berücksichtigen, um in der Folgezeit von Überraschungen verschont zu bleiben. Der Erschöpfungsgrundsatz Grundsätzlich können Programme genauso wie andere Wirtschaftsgüter auch ohne Zustimmung des Herstellers von ihrem rechtmäßigen Eigentümer weitergegeben werden, das ergibt sich aus dem sogenannten Erschöpfungsgrundsatz nach Paragraf 69c Nr. 3 S. 2 Urhebergesetz (UrhG). Dieser besagt, dass sich im Falle der Verbreitung eines Programms innerhalb der EU oder des EWR mit Zustimmung des Rechtsinhabers das Verbreitungsrecht erschöpft. Danach ist also eine Verbreitung eines Programms ohne Zustimmung des Herstellers zulässig, wenn es zuvor über einen vom Hersteller autorisierten Vertriebskanal bezogen wurde. Unter Richtern höchst umstritten ist indes, inwieweit das nicht dem Erschöpfungsgrundsatz unterliegende Vervielfältigungsrecht dazu führt, dass die Zustimmung des Urhebers zum Aufspielen der Software beim Dritterwerber trotz Erschöpfung erforderlich ist. Das Oberlandesgericht München bestätigte nun in einer jüngst veröffentlichten Entscheidung (Az.: 6 U 2759/07) – im Einklang mit der wohl herrschenden Meinung – eine Entscheidung des Landgerichts München, wonach der Erschöpfungsgrundsatz beim Onlinevertrieb von Software nicht greife und der Weiterverkauf online erworbener Software demnach nicht zulässig sei. Die Richter gingen sogar noch darüber hinaus und schlossen eine Übertragung von "gebrauchten" Einzelplatzlizenzen und Software auf Originaldatenträgern aus, wenn die Weiterübertragung durch AGB des Herstellers ausdrücklich ausgeschlossen ist. Bisher war die Mehrzahl der Juristen der Meinung, dass ein Weitergabeverbot durch AGB auf jeden Fall dann unzulässig ist, wenn es unbedingt ausgesprochen wurde. Aus diesem Grund befinden sich in AGB von Softwareherstellern Formulierungen, die aussagen, dass die Zustimmung zur Übertragung einzuholen ist, jedoch vom Hersteller nicht ohne wichtigen Grund versagt werden darf. Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) hierzu bleibt abzuwarten.