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280 Mandantengespräche Analysen, gespickt mit Beispielen aus dem Rechtsalltag, vergoren mit Fachausdrücken und getragen von dem Wunsch, nur ja keine Eventualität zu vergessen, das alles vorgetragen ohne Punkt und Komma und in partieller Hyperventilation. Rechtsanwälte reden manchmal so lange auf den Mandanten ein, bis sie ihrer Ansicht nach alles gesagt haben (das heißt meistens, alles rechtlich Relevante) und wundern sich dann, dass der Mandant zuhause nervös wird, die Sekretärin dreimal am Tag mit seinen Anrufen nervt, um zu fragen, ob „der Schriftsatz schon raus ist.“ Ihren möglichen eigenen Hang zum Dozieren erkennen Sie am häufigen Gebrauch des modalen Hilfsverbs „müssen“ in allen Schattierungen sowie am häufigen Gebrauch von sogenannten Absolutheitswörtern wie „alle“, „nie“, „keiner“, „immer“, „absolut“, „ausnahmslos“, „vollständig“ etc. Beachten Sie auch anwaltstypische, als Erläuterung getarnte Bevormundungen: „Sind Sie sich darüber im klaren, dass...?“ oder: „Die Tatsachen sprechen dafür, dass...“ oder: „Lassen Sie mich nun die Fakten darlegen, um die es hier geht.“ oder: „Die Erfahrung sagt uns,...“ („uns“ ist Assistenzarztdeutsch!) 1 Tipp Zu Beginn des Erstgesprächs haben Sie nur 10 % Sprechanteil. Probieren Sie die Technik der offenen Frage38 aus, um das zu schaffen. Beherzigen Sie eine wichtige rhetorische Regel für Durchsetzung und allseitiges Wohlbefinden: „Wenn du was von jemandem willst, dann lass ihn reden!“ 4. Nutzen Sie die Wahrnehmungssysteme Ihrer Mandanten Dieses Kapitel versetzt den Leser in die Lage, seine eigenen Wahrnehmungspräferenzen zu erkennen, dadurch die der Mandanten besser zu verstehen, zu bedienen – und schließlich für die Akquise zu nutzen. Manche Mandanten sind „schwierig“. Sie „hören nicht zu und machen sich die ganze Zeit Notizen und wollen mitlesen, was ich gerade schreibe, statt den Fall zu besprechen“, andere „zappeln herum, nesteln an der Kleidung, springen vom Stuhl auf, verlangen wegen jeder Kleinigkeit ein Treffen, trommeln mit den Fingern auf den Tisch, sind unruhig und fahrig“ oder „schreiben gar nichts mit, wollen nicht mal den Vertrag sehen sondern möchten die kritischen Punkte vorgelesen kriegen und am liebsten alles am Telefon besprechen.“39 38 Die offene Frage beginnt mit Fragewörtern (wer, was, welcher, wessen, wann, wohin, wozu, wodurch oder wo), sorgt für eine ausführliche Antwort und so für eine schnelle Sachverhaltsermittlung und für viel Raum für den Befragten. In Akquisesituationen sichert diese Frage Redeanteile zugunsten des Kunden und festigt die Führung des Fragers; vgl. zum taktischen Einsatz der offenen Frage in Akquisegesprächen das Kapitel „Durchsetzung“. 39 Wörtliche anwaltliche Antworten auf die Frage: „Wodurch sind Mandanten für Sie schwierig?“ Unauthenticated Download Date | 10/27/15 11:36 PM