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VII. Das Konzept „Intuition“ 137
Mandat, durch die Kombination von Prozesskostenhilfe, streitwertunabhängigen Rahmengebühren
und Kostenerstattung beim Gegner. Die Verfahrensgebühr erhöht sich dann noch mal um 30 %.
Über die Kosten zu sprechen, erschreckt meine Mandanten. Ich brauche viel Fingerspitzengefühl.
Michel Lensmann, Rechtsanwalt mit Tätigkeitsschwerpunkt Sozialrecht, Recklinghausen, Tel.:
02361-6581952
VII. Das Konzept „Intuition“VII.
Mandanten möchten starke Anwälte. Anwälte tun Alles, um diesen Erwartungen
gerecht zu werden. Was jedoch geschehen kann, wenn Mandanten Stärke ausgerechnet in einem Rechtsgebiet benötigen, das nicht zum eigenen Spezialgebiet
gehört, das erklärt die folgende Geschichte doppelt. Sie ist nicht nur ein Beweis für
eine großartige Intuition (die ja im landläufigen Sinne „Wissen ersetzen“ kann),
sondern ein Lehrbuch-Beispiel dafür, wie eine eher „zufällige“ Begegnung den Griff
zu unüblichen Verhandlungsmethoden sinnvoll machen kann. Wie ausgerechnet
durch eine kleine Drohung ein mittleres Geschäft und eine große Reputation entstehen können, das zeigt der folgende Bericht:
Best Practice
„Meiner 86-jährigen Mandantin waren Anlagefonds mit einer Laufzeit von 16 Jahren(!) und einem
Anlagewert von rund € 100.000 verkauft worden. Erst ihr Neffe hatte sie danach über diese fragwürdige Anlage aufgeklärt. Obwohl die Widerrufsfrist bei Mandatsannahme verstrichen war, nahm ich
das Mandat an. Meine Erfahrung im Bank- und Anlagerecht war damals zwar begrenzt, aber einer
Dame in dem fortgeschrittenen Alter einen Anlagenfonds mit derart langer Laufzeit zu verkaufen,
„stank zum Himmel“. Ich vereinbarte für den Erstkontakt mit der Bank eine Pauschale von € 250,– mit
der Mandantin.
Ich stieg in das Telefonat mit der Bank ein: „Ich könne nicht nachvollziehen, wie Sie in diesem
Fall unseriösen Geschäftsgebarens Gefahr laufen wollten, dass die Geschädigte sich an die Presse
wendet“ und wurde danach direkt zur Geschäftsführung durchgestellt, die sich für dieses „Versehen“
relativ schnell entschuldigte. Das Signal für die Rückabwicklung des Kaufs kam vereinbarungsgemäß
telefonisch vier Tage später von der Bank, die auch die Anwaltskosten in Höhe von € 1.500 zahlte. Das
Protokoll der Rückabwicklung blieb der einzige Schriftwechsel in diesem Fall.
Die betagte Dame beauftragte mich bereits in der Woche darauf mit der Regelung ihres Erbes.
Meine Mandantin wohnt in einem Pflegeheim und organisierte dort einen Tischvortrag mit mir. Ich
wählte dafür den Titel „Betagt und gewagt? Rechtsfragen in höherem Alter“ und hielt vor 30 Bewohnern eine Frage-und-Antwort-Präsentation im Speisesaal am Tisch. Zehn Fragen hatte ich als Stichwortliste für jeden Zuhörer kopiert. Hieraus entstanden weitere Mandate“.
Rechtanwältin Nicole Mertgen, Partnerin bei Dr. Fuchs, Schönigt und Partner, Bremen, Tel 04211655293
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